Man hätte es kaum für möglich gehalten. Aber mit der Forderung «Der Krieg muss absolut geächtet werden» erntete ausgerechnet Kardinal Ottaviani breiten Applaus der Konzilsversammlung.
Voraus ging die Debatte um die Überwindung der klassischen Lehre vom gerechten bzw. ungerechten Krieg. Mitten im Kalten Krieg und angesichts der atomaren Bedrohungslage schien die Unterscheidung zwischen einem gerechten und einem ungerechten Krieg irrsinnig. Die mögliche Auslöschung allen Lebens auf der Welt zwang die Kirche zu einer Neupositionierung in der Frage des Krieges und Kardinal Ottaviani brachte die allgemeine Meinung mit seinem kurzen Satz auf den Punkt.
Diffiziler war die Diskussion um die Legitimität der nuklearen Abschreckung. Es gab zwar Redebeiträge, welche die Unterscheidung zwischen Besitz und Gebrauch nuklearer Waffen zurückwiesen, zugleich stellte sich aber die Frage der internationalen Kontrolle des Waffenbesitzes. Die Anregung, zu diesem Zweck eine supranationale Autorität zu schaffen, welche nationales Recht einschränken sollte, fand breite Zustimmung. Insbesondere die französischen Bischöfe – immerhin aus einen Land mit Atomwaffenbesitz – unterstützten dieses Anliegen.
Auch die Frage des Rechts auf Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen wurde uneinheitlich diskutiert. Hier waren es vor allem spanische Bischöfe, die sich skeptisch gegenüber einem solchen Recht äusserten. Vor dem Hintergrund des Franco-Regimes in Spanien erscheint die Begründung heute noch schwer verdaulich: Die Frage der Kriegsdienstverweigerung sei «dem Urteil der zivilen Autoritäten zu überlassen, da eine vom Gewissen her begründete Verweigerung sich gelegentlich als im Widerspruch zu den Erfordernissen der sozialen Ordnung herausstellen könne.»
(ab; A 5,202f)
Konzilsblogteam
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