Melkitisch-schweizerisches Rededuell

Am 29. September 1965 erregte Elias Zoghby, Patriarchalvikar der Melkiten in Äqypten, grosses Aufsehen mit einer Rede zur Frage der Unauflöslichkeit der Ehe. Kern seiner Argumentation war die Frage, warum es «aus pastoralen Beweggründen» nicht möglich sein solle, «die Disziplin der von Rom getrennten Ostkirchen zu übernehmen, die trotz entschiedener Bejahung der Unauflöslichkeit der Ehe doch im Namen des Grundsatzes der Gnadenökonomie die Autorität für sich beanspruchen, die Wiederverheiratung eines unschuldigen Ehegatten zuzulassen» (A 5, 183f.). Dem schweizerischen Kardinal Charles Journet kam am darauffolgenden Tag die Aufgabe zu, Zoghby zu widersprechen. Seiner Exegese der entsprechenden Bibelstellen, auf die sich Zoghby berufen hatte, zufolge sei zwar eine Trennung im Falle eines Ehebruchs, nicht aber eine Wiederheirat möglich, zumal die Unauflöslichkeit der Ehe göttlichen Rechts sei.
Journets Biograph Guy Boissard zufolge war für den weiteren Konzilsverlauf die Argumentation des Kardinals aus Fribourg die entscheidende, wenngleich er darauf hinweist, dass diese sich aus patristischer Sicht einige Detailkritik gefallen lassen musste. Der Genfer Dominikaner Henri de Riedmatten zeigte sich beeindruckt von der Entschiedenheit, mit der Journet seine Überzeugung vortrug.
(mq; s. auch Guy Boissard, Charles Journet 1891-1975, Paris 2008, 514f)

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