Päpste unter Druck

Der aktuelle Synodenprozess zu Ehe und Familie erinnert in vielem an den Verlauf des Konzils. Die Spannung zwischen Erwartungen und tatsächlich erreichbaren Konsensen war und ist gross. Hier kommt es nicht zuletzt auf den jeweiligen Papst an. Wie weit konnte Papst Paul VI. die Freiheit und Dynamik des Konzils aushalten? Wie sehr nimmt Papst Franziskus Einfluss auf Beratungsprozesse, Voten und Positionierungen auf den Familiensynoden? Vor allem: Wie stand der eine und steht der andere unter dem Druck zahlreicher und mit Nachdruck vorgetragener Erwartungen, Ansprüche und Wünsche?
Ein Rückblick auf Paul VI.:
«In seiner Eröffnungsrede (zur letzten Konzilssession; AB) hatte Paul VI. deutlich gemacht, dass er keine allzu spezifischen Fragen ansprechen wolle, um so dem Konzil seine volle Freiheit zu lassen. Hatte er diese Richtschnur aus den Augen verloren (…) Es scheint schwierig, hier mit einem klaren Ja oder Nein zu antworten. Was wir vielmehr beobachten ist die Tatsache, dass der Papst mit Petitionen und Ersuchen bestürmt wird und Gegenstand massiver Pressionen ist.
Fakt ist, dass diejenigen, die gegen die Kollegialität gestimmt hatten, eben dieselben sind, die nach ihrem erfolglosen Versuch, ihre Meinung in der Konzilsversammlung zur Geltung zu bringen, die Debatte jetzt vor eine andere Instanz tragen: den Papst. Paul VI. ist zunächst Opfer der mangelnden Aneignung der Lehre von der Kollegialität durch die Konzilsväter selbst, die ihn schliesslich zum Schiedsrichter über das Konzil bestimmen.» Auch die Eigenschaft von Paul VI., möglichst umfassend und von allen Seiten Beratung zu suchen, sowie seine Sorge um Einheit und Konsens erlaubte es der konservativen Seite, mehr Einfluss zu nehmen, als sie auf dem eigentlichen Konzil hatte. So setzte sich der Papst auch durch eigenes Verhalten «schrecklichem Druck vonseiten derjenigen aus, die wenig Skrupel hatten – manche darunter aus seinem eigenen Umfeld. (…) So kam es dazu, dass er den Reformflügel hemmte, ohne dass es ihm auf der anderen Seite gelang, diejenigen zu gewinnen, die sich taub stellten.»
Heute, im Synodenprozess, ist der Ausgang noch offen, aber manche Vorgänge erinnern im Guten wie im Bösen sehr an das Konzil.
(ab; A 5:211f.)

Konzilsblogteam

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