Konzil der Kirche über die Kirche

Dass die Kirche sich auf dem II. Vaticanum selbst zum Gegenstand der Diskussion machte, ermöglichte ihr, sich neu ihrer Einbindung in die Welt nicht nur von heute, sondern auch von gestern und morgen bewusst zu werden. Die universale Dimension des Christlichen, in die diese Bewusstseinsbildung hineinführte, ist immer auch existenziell und führt damit zugleich zur Frage nach der kirchlichen Existenz. Gerade auch für diese je ganz persönliche Konkretion der Weite christlichen Glaubens ist die Entwicklung im Denken von Karl Rahner aufschlussreich. Udo Bentz, der am 20. September 2015 im Mainzer Dom zum Bischof geweiht wird, beobachtet: «Unmittelbar vor dem II. Vatikanischen Konzil und in der Rezeptionsphase des Konzils häufen sich Rahners Überlegungen zur Kirchlichkeit.»
Einen besonderen Platz nimmt in diesen Überlegungen Rahners sein nüchtern-realistischer Blick ein, der für die Kirche als Ganze wie für die einzelnen Christinnen und Christen die Herausforderungen des Kirche-Seins in der Welt von heute aufzeigt. So beschreibt er etwa die Kirche in den Jahren nach dem Konzil «verstärkt im Bild der mühseligen Pilgerin durch die Zeit, ‹als das von allen Stürmen der Geschichte gerüttelte Wüstenzelt des pilgernden Volkes Gottes, die auch in sich selber nur mühsam, tastend und unter vielen inneren Bedrängnissen ihren Weg in die Zukunft sucht, sich ihres Glaubens immer wieder neu zu vergewissern strebt.›»
(mq; Zitate bei Udo Bentz, Jetzt ist noch Kirche. Grundlinien einer Theologie kirchlicher Existenz im Werk Karl Rahners. Innsbruck, Tyrolia, 2008, 24 bzw. 256).

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