GFS: 3 Buchstaben – viele Aufgaben

Gerechtigkeit, Friede, Bewahrung der Schöpfung/GFS: Unter diesem Motto stand bekanntlich vor 30 Jahren in Basel die 1. Europäische Ökumenische Versammlung. Erstmals seit der Reformation trafen sich so viele Gläubige aller Konfessionen. Und erstmals begegneten einander so viele Menschen aus dem immer noch in Blöcke getrennten Europa. Manche von uns waren damals dabei.

Ich erinnere mich: Als das sehr inhaltsreiche Schlussdokument einstimmig angenommen wurde, spürte ich – obwohl ich ein eher nüchterner Christ bin! – das Wirken von Gottes Geist.

Zu wenig getan

Nach der Versammlung entstanden unzählige GFS-Gruppen, um die Basler Anregungen zu realisieren. (Ich durfte die Gruppe der Deutschschweizer Kapuziner leiten. Und noch immer bin ich Mitglied einer interfranziskanischen Gruppe, die sich allerdings darauf beschränkt, «virtuell», im Internet aufzutreten.)

Vieles wurde getan. Doch viel zu wenig! Ich versuche hier, einige der unerledigten Hausaufgaben zu skizzieren.

Friede

Wer setzt sich aus Überzeugung für gewaltfreie Lösungen ein? Ein Beispiel: Noch viel zu wenig Schweizer stellen sich die Frage, warum es (7!) Milliarden Franken, oder noch mehr, für Flugzeuge braucht. (Wenn es bislang gereicht hat, dass sie während den Bürozeiten einsatzbereit waren, mag es wohl nicht so dringend sein, dass die Schweiz eine Luftwaffe hat …)

Oder denken wir an die Waffenausfuhr. Auch CVP-Politiker haben ja vor wenigen Jahren zugestimmt, dass auch in Gebiete mit Menschenrechtsverletzungen Waffen ausgeführt werden dürfen; angeblich, um Arbeitsplätze zu erhalten. Ein Armutszeugnis für ein so reiches Land!

(Dazu mein Kapuziner-Blog: https://www.kapuziner.ch/blog/pilatus-waescht-seine-haende-in-unschuld/)

Gerechtigkeit

Nach wie vor steht die Schweiz betr. Entwicklungshilfe/Zusammenarbeit sehr schlecht da. Ich erinnere mich, wie Helder Camara schon in den 1960er/70er sich dafür eingesetzt hat, dass die reichen Länder 0,7 Prozent des BSP für Entwicklungshilfe einsetzen. Der Bundesrat hat vor paar Jahren 0,5 Prozent vorgeschlagen. Inzwischen sind bloss 0,45 Prozent vorgeschlagen. Dabei noch was Skandalöses: Die Hilfe soll vor allem auch der Schweiz nützen. Priorität haben nicht mehr jene, die es besonders nötig haben.

Insgesamt ist die Armut nicht nur im globalen Süden erschreckend gross, sondern auch in der reichen Schweiz (vgl. alleinerziehende, wenig qualifizierte). Dazu die Versammlung von Basel: «Vielen der ärmsten Länder wird die Möglichkeit genommen, auch nur die Grundbedürfnisse ihrer Bürger zu decken. Sogar in den reichen Industrienationen wächst stetig die Zahl derer, die unter dem Existenzminimum leben.» (Schlussdokument Nr. 10)

Ein trauriges Kapitel: Der Umgang mit Flüchtlingen: Immer und immer wurden Asylgesetze verschärft. Wobei die bürgerlichen Parteien die fremdenfeindlichen SVP einholen oder überholen ….

Schöpfung:

Dazu wird in diesen Tagen sehr viel geschrieben. Ich möchte hier nichts hinzufügen.

Das Basler Dokument lesen

Allgemein: Es würde uns allen guttun, das Dokument von Basel wieder einmal zur Hand zu nehmen, zu beherzigen und Konsequenzen darauf zu ziehen.

 

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

https://www.blogs-kath.ch/gfs-3-buchstaben-viele-aufgaben/