«De facto […] beziehen sich sehr viele auf ‹Buchstaben› und ‹Geist› des Konzils zurück, als ob diese der Kirche die Erfahrungen der Wüstenwanderung ersparen könnten, als wäre mit dem Konzil alles ein für allemal ‹klar und wahr›. Das Konzil wird dann zur ‹Zauberformel›, mit deren Hilfe sich die ganze Widersprüchlichkeit der Erfahrungen, welche die Kirche mit sich selbst in der Welt von heute macht, in Wohlgefallen auflöst. Andere scheinen das Konzil als ‹abgeschlossenes Ereignis in der Vergangenheit› zu behandeln, das eher den ‹optimistischen Zeitgeist› der 60-er Jahre als den Geist Gottes zur Sprache kommen liess. Sie relativieren damit seine bleibende Bedeutung. Sowohl die ‹Heraufstilisierung› als auch die ‹Relativierung› des Konzils tun so, als wäre der Exodus ohne die anschliessenden Wüstenjahre zu haben. […]
[Ein von biblischem Realismus geprägter Zugang wird berücksichtigen,] dass jede ‹Befreiungserfahrung› sich auf dem Weg der Kirche durch die Wüste des Alltags bewähren muss und dass damit immer auch Rückschläge, Unklarheiten und Konflikte verbunden sind – nicht nur in der Zeit des Aufbruchs und der Aneignung durch die erste Generation, sondern auch darüber hinaus».
(Daniel Kosch: «Um unseres Heiles willen». Eine relecture von «Dei Verbum» nach 40 Jahren. In: BiKi 60 [2005] 45-50, 45f; emf)
Konzilsblogteam
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant