Peinlich, peinlich! So würden bestimmt viele Jugendliche mit Blick auf die katholische Kirche sagen – falls sie sich überhaupt noch mit der Kirche befassen würden.
Tatsächlich, es gibt Peinlichkeiten in unserer Kirche: zum Beispiel Bischöfe, Kardinäle und – leider! – auch der Papst mit ihren Versuchen, die Unmöglichkeit Frauen oder verheiratete Männer zu weihen, biblisch zu begründen. Während doch schon jeder Theologiestudent im ersten Semester erfährt, dass dies nicht hinhaut.
Oder man denke an die sexuellen Missbräuche von Priestern, Bischöfen und auch hier sogar von Kardinälen. Wirklich peinlich!
Ob all diesen Peinlichkeiten vergisst man, dass es auch in unserer Kirche Menschen gibt, auf die wir stolz sein dürfen. Zwei davon, die ich persönlich gut gekannt habe, sind in den letzten Tagen leider gestorben.
Da ist Ferdinand Luthiger, der ehemalige Direktor von Fastenopfer. Es war für mich immer eine grosse Freude, wenn ich Ferdi und seine Frau Theres in der Stadt angetroffen habe. Es waren, wie es in der Todesanzeige heisst, «zwei wunderbare Menschen». Fastenopfer schreibt in der Würdigung von Ferdi: «Sein feu sacré war geprägt von einer ganz persönlichen Verbundenheit mit den Armen in der Welt und dem Glauben an eine Welt voller Gerechtigkeit.»
Das gleiche gilt auch für den Immenseer Missionar Eugen Birrer, der ein Tag nach Ferdinand in Nairobi gestorben ist. Während Jahrzehnten stand er im Dienste der Flüchtlingshilfe. In Nairobi, wo ich Eugen auf dem Weg nach Tansania zwei Mal besucht habe, gründete er eine Reihe von Selbsthilfeprojekten von Asylsuchende.
Fast jede Woche schickte er mir und andern Freunden Mails, meistens mit Fotos von Flüchtlingskindern und «ihrem Grossvater», wie er sich selbst bezeichnete. Ein Bild werde ich nie vergessen: Eugen umarmt ein völlig verunstaltetes, behindertes Flüchtlingskind liebevoll und zärtlich.
Mehrmals schickte er uns ein Foto, auf dem er unmittelbar neben dem Papst beim Besuch seines Flüchtlingszentrums in Nairobi zu sehen ist: Eugen im Rollstuhl schrieb dazu: «Der Papst und der Gartenzwerg aus der Schweiz.»
In seinem vorletzten Mail schrieb er: «Als ich nach Feier, die im Fernsehen übertragen wurde, durch Nairobi fuhr, riefen Kinder: ›Der Papst kommt.’» Offenbar konnten sie die beiden weissen Männer nicht voneinander unterscheiden.
Liebe Gläubige, danken wir Gott für diese aussergewöhnlichen Persönlichkeiten. Sie zeigen, dass die Botschaft Jesu trotz allem auch heute in seiner Kirche überzeugend gelebt wird.
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.blogs-kath.ch/wunderbare-menschen-ferdi-luthiger-und-eugen-birrer/