Zur Konzilsrezeption in der DDR

«Nur wenige Wochen nach Beendigung des Konzils, im Februar 1966, thematisierte Kapitelsvikar Gerhard Schaffran (1963-1987) aus Görlitz, seit der zweiten Sitzungsperiode Teilnehmer des Konzils, das Fortwirken des Konzils in den Gemeinden in einem Fastenhirtenbrief. Mit der Losung: ‹Das Konzil muss weitergehen!› beschrieb er zunächst, wie die Umsetzung von innen nach aussen geschehen müsse; die Reihenfolge beginne mit der Liturgie als Herzstück der Kirche, führe über Bischöfe, Priester, Ordensleute und Laien zur Mission und schliesslich zu den getrennten Christen und nichtchristlichen Religionen. Äusserstes Segment sei die Kirche in der Welt von heute. Was auf den ersten Blick dem Versuch einer theologischen Zusammenschau gleicht, erweist sich, im Kontext des Rezeptionsgeschehens in der Kirche der DDR betrachtet, als eine Wertskala, die zum Teil auch zeitlich in dieser Reihenfolge Priorität besitzen sollte. Gerhard Schaffran, zu diesem Zeitpunkt enger Weggefährte von Alfred Bengsch und dessen theologischem Denken nahe stehend, hatte in dem Text offenbar das ausgedrückt, was weitgehend Konsens in der Berliner Ordinarienkonferenz war.»
(Giancarlo Collet; Zitat: J. Pilvousek, Die katholische Kirche in der DDR. Beiträge zur Kirchengeschichte Mitteldeutschlands, Münster 2014, 360f)

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