«Als 1981 der neue Erfurter Bischof Joachim Wanke den Versuch einer pastoralen Standortbestimmung unternahm, formulierte er zunächst: ‹Wir wollen auch hierher gehören, nicht weil wir nicht anders können, sondern weil wir um dieses Landes willen, um seiner Menschen willen einen Weg suchen wollen, um das Evangelium Jesu Christi auf ‹mitteldeutsch› zu buchstabieren. Den durchgängigen Grundimpuls der Seelsorge definierte er mit dem Wort Solidarisierung. Die Bestimmung der Kirche sei kein Selbstzweck, auch nicht im Raum der DDR. ‘Die Kirche muss sich verstehen als Instrument, das die Menschen auf die kommende Solidarisierung im Reiche Gottes vorbereiten will.› Das sind, nahezu wörtlich, Aussagen der Pastoralkonstitution ‹Gaudium et spes›, gegen die Kardinal Bengsch beim Zweiten Vatikanum gestimmt und deren Rezeption er abgelehnt hatte. Zweifellos hat sich ein Perspektivwechsel, ein Paradigmenwechsel vom kirchenpolitischen ‹Status quo› einer Kirche in einem totalitären System hin zur ‹theologischen Wirklichkeit der katholischen Kirche … in diesem Raum DDR› vollzogen … Der theologische Paradigmenwechsel war ein kluger und mutiger Schritt aus einer historisch gewachsenen, in der Auseinandersetzung mit dem Staat entstandenen ‹Selbstbeschränkung› zu einer theologischen Neubesinnung und pastoralen Neuakzentuierung. Damit wurde eine primär kirchenpolitische Fixierung der katholischen Kirche aufgegeben, ohne dass es dadurch aber zu einem Aufbrechen der inneren Geschlossenheit und einer Instrumentalisierung der katholischen Kirche für den Staat und die sozialistische Gesellschaft gekommen wäre.»
(Giancarlo Collet; Zitat: J. Pilvousek, Die katholische Kirche in der DDR. Beiträge zur Kirchengeschichte Mitteldeutschlands, Münster 2014, 325f; 167, Foto: Collet)
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