Das Konzilstagebuch von Heinrich Tenhumberg (III): Die erste Konzilssession

Weihbischof Heinrich Tenhumberg traf am 10. Oktober 1962 in Rom ein und wohnte mit den übrigen Münsteraner Bischöfen bei Schwestern, zusammen mit 30 Bischöfen aus aller Welt. Er beschäftigte sich stark mit liturgischen Fragen, unterstützt durch den anwesenden Liturgieexperten Emil Josef Lengeling. Das Auftreten Tenhumbergs am Konzil war forsch und entschieden, und er bewegte sich in Reformkreisen; bei einem Treffen bei Kardinal Augustin Bea SJ Anfang Dezember wurden bereits Witze über konservative Kardinäle ausgetauscht, was belegt, wie schnell sich theologische Richtungen herausbildeten. Ein Beispiel: «Ein Boot mit drei Kardinälen an Bort gerät in Seenot: Ottaviani, Rufini, Siri; das Boot geht unter. Wer wird gerettet! … die heilige Kirche» (62).
Tenhumberg fand es gut, dass auf beiden Seiten mit guten oder wenigstens gut gemeinten Argumenten gestritten wurde: «In diesen Wochen meinte man oft den Atem Gottes in der Geschichte der Kirche zu spüren. Es geht um einen Aufbruch zu neuen Ufern» (61).
Im Dezember 1962 gab Tenhumberg seine erste Wortmeldung ein, die sich bezüglich des Kirchenschemas mit den evangelischen Räten beschäftigte. Dies konnte jedoch nicht mündlich, sondern nur schriftlich geschehen.
(ufw; Heinrich Tenhumberg: Als Weihbischof auf dem Konzil. Tagebuchnotizen 1962–1965. Herausgegeben von Joachim Schmiedl. Münster 2015.)

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