Enttäuschend?

Die «zweieinhalb Tage der Gnade», die Kardinal Cardijn, Yves Congar und Henri-Marie Féret Anfang August 1965 während der gemeinsamen Arbeit an Konzilsinterventionen des belgischen Gründers der Christlichen Arbeiterjugend in Notre-Dame des Voirons verbrachten, hatten für die beiden Dominikaner auf den ersten Blick nicht den gewünschten Erfolg. Theologisch ausgefeilte Argumentation und hektisches Konzilsgeschehen der vierten und letzten Konzilssession passten nicht in jedem Fall gut zusammen, was die beiden Dominikaner mit einer gewissen aus der Situation geborenen Enttäuschung vermerkten. Féret bemerkt am 5. Oktober 1965, als Cardijn eine auf die Zusammenarbeit im August 1965 zurückgehende Intervention hielt, irritiert: «Kardinal Cardijn hat den Text seiner Intervention beträchtlich abgeändert.» Seinerseits notiert Congar angesichts einer insgesamt «sehr langweiligen(n) Diskussion über das Schema XIII» in seinem Tagebuch: «Im Gegensatz zu dem, was ich dachte, schenkt man ihm [Cardijn] nur geringe Aufmerksamkeit.» Einerseits.
Andererseits: Cardijns Interventionen brachten eine Perspektive ein, die sich dann in Gaudium et spes durchaus widerspiegelt und die bis heute, im Konzert mit anderen Stimmen, die Rezeption der Pastoralkonstitution (bzw. der anderen Konzilsdokumente, zu denen Cardijn sich äusserte) begleitet und bereichert. Darüber braucht man eigentlich nicht enttäuscht zu sein.
(mq; Qu 424 bzw. Co 2,421)

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