Ein Mann, ein Wort (bzw. eine Idee)

Die geistlich, menschlich und theologisch intensive Zusammenarbeit zwischen Kardinal Cardijn sowie den Dominikanern Yves Congar und Henri-Marie Féret im Blick auf die werdende Pastoralkonstitution Gaudium et spes wurzelt in einer jahrzehntelangen wechselseitigen Inspiration. Bereits in den 1930er-Jahren waren der Gründer der Christlichen Arbeiterjugend und die Dominikaner aus Le Saulchoir in engem Kontakt und legten so in Theorie wie Praxis die Grundlagen für ein theologisches Denken, das eine Trennung zwischen Theorie und Praxis überwand.
Anlässlich des Arbeitstreffens in Notre-Dame des Voirons in Savoyen im August 1965 charakterisiert Congar Person und Werk des belgischen Kardinals und resümiert dabei zugleich, was er von diesem gelernt hat – freilich nicht ohne es in seine eigene theologische Denkweise zu integrieren und damit auch weiterzuführen:
«Im Grunde hat Cardijn nur eine Idee, die ihm aber konsubstantiell ist, er ist ihr absolut treu, wie er absolut treu sich selbst gegenüber ist. Sie erhellt alles. Seine grosse Idee ist es, vom Realen, vom Konkreten auszugehen. Man muss die Menschen nehmen, wie sie sind. Er wirft dem neuen Schema über das Laienapostolat vor, damit zu beginnen, Arten von Apostolaten zu unterscheiden. Wenn ich so angefangen hätte, sagt er, hätte ich nichts zustande gebracht. Ich habe keine Menschen getroffen, auf die diese Schemata anwendbar wären. Man muss immer damit beginnen, die Leute so zu nehmen, wie sie sind, ohne ihnen unsere Vorstellungen, Ideen und Forderungen anhängen zu wollen. Es muss von ihnen kommen, es muss für sie authentisch sein. Wenn man von einem System ausgeht, kommt man leicht zu der Annahme, dass mit diesen oder jenen Menschen nichts zu machen ist. Und man macht nichts.»
(mq; Qu 423 Anm. 44 bzw. Co 2,383.)

Konzilsblogteam

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