Welcher Kurs soll eingeschlagen werden?

Zehn Jahre nach Ende des Konzils erschien aus der Feder von Paul VI. das apostolische Schreiben «Über die Evangelisierung in der Welt von heute». Es griff die Ergebnisse der ein Jahr zuvor durchgeführten Bischofssynode auf und erklärte, dass zur Sendung der Kirche konstitutiv der Einsatz für die Befreiung der Menschen gehöre. Es ist deshalb nicht zufällig, wenn 1979 die 3. Generalversammlung des lateinamerikanischen Episkopates in Puebla (Mexiko) ausdrücklich von einer «befreienden Evangelisierung» sprach. Zu Beginn der 1970iger Jahre kam es nämlich zu einem «Kurswechsel» innerhalb der Leitung von CELAM, was sich in der Vorbereitung und der Durchführung dieser Versammlung äusserte. Puebla hatte als Thema «Die Evangelisierung Lateinamerikas in Gegenwart und Zukunft» und die Bischöfe bestätigten nach zahlreichen Debatten den in Medellín eingeschlagenen Weg. Gleichzeitig kamen sie aber auch auf Schwierigkeiten zu sprechen, die in der Kirche in den vergangenen Jahren aufgekommen waren. So bemerkten sie, es sei «noch viel zu tun, ehe sich die Kirche als ein geeintes und solidarisches Ganzes darstellen kann.» Die Schwierigkeiten, so die Bischofsversammlung, erwachsen aus der Herausforderung, welche die Ungerechtigkeit, Armut und Verletzung der Menschenwürde für den Auftrag der Kirche bedeuten: «Diese soziale Lage hat auch Spannungen in das Innere der Kirche selbst hineingetragen, die von Gruppen herrühren, die entweder ‹das Geistliche› ihrer Sendung überbewerten und der Arbeit der sozialen Förderung ablehnend gegenüberstehen oder aber den Sendungsauftrag der Kirche in eine blosse Arbeit der Förderung des Menschen umwandeln wollen.»
Puebla brachte neue Aspekte lateinamerikanischer Realität zur Sprache wie die Bedeutung der Kulturen bzw. Fragen des Verhältnisses von Kultur und Evangelium, der Volksfrömmigkeit … Indigene und afroamerikanische Kulturen erlebten eine Renaissance, die nicht zu übersehen war. Die Armen sind nicht bloss Adressaten der Evangelisierung sondern besitzen ein eigenes «evangelisatorisches Potential» und sie werden aufgerufen, «auch von ihrer Armut zu geben.» Vor allem beginnen die Armen jedoch konkrete Gesichter zu bekommen, denn nun ist die Rede von Indios, Afroamerikanern …, «in denen das Leidensantlitz Christi» erkannt werden kann.
(Giancarlo Collet)

Konzilsblogteam

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