Medellín – eine ekklesiologische Revolution

Medellín – gelegentlich auch als «Geburtsstunde der lateinameri­kanischen Kir­che» bezeichnet – markiert den Anfang eines kirchli­chen Enthusiasmus, von dem sich zahlreiche Christinnen und Christen auch bei uns anstecken liessen. Nach intensi­ven und sorgfältigen Vorbereitungen wurde im geschichtsträchtigen Jahr 1968 in Medellín die 2. Generalversammlung des CELAM durchgeführt. Die Zusammenkunft stand unter dem Leitthema: «Die Kirche in der ge­genwär­tigen Umwandlung Latein­amerikas im Lichte des Konzils». Mit Medellín, so bemerkten la­teinamerikanische Theolo­gen, habe eine «Bekehrung der institutio­nellen Kirche zum Volk» begonnen; es habe eine «ekklesiologische Revo­lu­tion» bewirkt. Worin die «Bekehrung» und das «Revolutio­­näre» genau liegt, ergibt sich aus der erklär­ten Absicht der lateinamerika­nischen Kir­che, aus Gründen des Evange­liums ei­nen gesellschaftlichen Standort­wechsel mit allen dazugehörenden Kon­sequen­zen zu ziehen. Das bisherige Verhal­ten der Kirche und ihre traditionellen Struk­turen haben die Menschen Lateiname­ri­kas, des­sen Mehrheit in einer schmerz­haften Armut zu leben gezwungen ist, «zu der Überzeu­gung geführt, dass die Kirche in Latein­amerika reich ist», «dass die Hierar­chie, der Kle­rus und die Or­densleute reich und mit den Reichen ver­bündet sind.» Das widerspricht jedoch dem Evange­lium und darum wird von der Kirche und ihren Mit­gliedern eine Um­kehr gefor­dert, die als gesellschaftlicher Stand­ortwechsel bezeich­net werden darf. Denn die Kirche ist und hat eine «Kirche der Armen» zu sein.
Damit nahm die lateinamerikanische Kirche jene In­spiration des vergangenen Kon­zils auf, die dort in der Arbeitsgruppe «Kirche der Armen» zwar lebendig war, in den konziliaren Beratungen und Be­schlüssen je­doch nicht richtig zum Zuge kam (vgl. Konzilsblog vom 26.10.2012 und 23.8.2013). Das Theolo­gumenon «Kirche der Ar­men» fand seine Konkretionen in einer dreifa­chen Option, nämlich in der Op­tion der Kirche für die Armen, für die ganzheitliche Be­freiung und für die kirchli­chen Basisge­mein­den. Diese Optionen ergaben sich für die Konferenz sowohl aus einer Analyse der ge­sellschaftlichen und kirchlichen Wirklichkeit als auch aus der theologi­schen Refle­xion, die zum Setzen von (neuen) pastoralen Prioritäten führte.
(Giancarlo Collet)

Konzilsblogteam

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