Den markantesten Aufbruch erlebte die lateinamerikanische Kirche unmittelbar nach Beendigung des Zweiten Vatikanischen Konzils, als die Bischöfe 1968 in Medellín (Kolumbien) zusammenkamen, um sich den Herausforderungen des südlichen Halbkontinents zu stellen. Auch wenn auf dem Konzil selbst deren Bischöfe nicht zu den grossen «Wortführern» gehörten, so dass der Eindruck entstehen konnte, die lateinamerikanische Kirche sei eine «Kirche des Schweigens», so haben einige ihrer Vertreter wertvolle «Hintergrundarbeit» geleistet und Initiativen ergriffen, die für die Weltkirche von bleibender Bedeutung sind. So ist daran zu erinnern, dass Dom Helder Camara den Anstoss dazu gab, der zum Beschluss führte, ein Schema über die Kirche in der Welt zu verfassen, der späteren Pastoralkonstitution «Die Kirche in der Welt von heute».
Als ein Zeitzeuge hielt der chilenische Theologe Segundo Galilea (1928-2010) zwanzig Jahre nach Beendigung des Konzils fest: «Im Allgemeinen war Lateinamerika auf das Zweite Vatikanische Konzil nicht vorbereitet, weder was die Breite der dort angesprochenen Probleme noch was seine pastoralen und dogmatischen Reformen angeht. Der grösste Teil des lateinamerikanischen Katholizismus und des Klerus hatte die Entwicklung des christlichen Denkens in den letzten Jahrzehnten nicht genügend mitvollzogen. Aber es stimmt auch, dass zahlreiche katholische Gruppen und Eliten Veränderungen in der Kirche wünschten und dafür arbeiteten. Sie waren beunruhigt angesichts der wachsenden Distanz zwischen der ‹traditionellen› Pastoral und den Bedürfnissen des Volkes. Der Übergang von der agrarischen zu einer mehr und mehr urbanen Gesellschaft und das Anwachsen des kritischen Bewusstseins im sozialen und politischen Bereich schufen eine neue Situation.»
(Giancarlo Collet)
Konzilsblogteam
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.blogs-kath.ch/unvorbereitet-ins-konzilsgeschehen-dennoch-mit-nachhaltiger-wirkung/