Fragwürdige Polemik

(wieder mal etwas Politisches – weit abseits der Kirchen-Themen)

Fragwürdige, ja partiell billige Polemik sowohl auf dem Buckel bedrohter Tierarten wie auf dem enthusiastischer junger Menschen betreiben zurzeit einige Kommentatoren in der innenpolitischen Frage, wie die erstaunlichen Wahlergebnisse in einigen Deutschschweizer Kantonen zu bewerten sind. Es gibt allerdings – nicht überraschend aufgrund der «Qualität» der kommentierenden Herren – doch klare Nuancen im Anstand der Sprache und der Argumentation.

Beginnen wir mit einem der intellektuellen Gewissen der Nation, mit dem Chefredakteur der NZZ, Herr Eric Gujer (den ich übrigens durchaus schätze und auf seine Meinung Wert lege – meist…). In der Woche zwischen den Zürcher und den Luzerner/Baselländer Wahlen griff er zum scharf geschliffenen rhetorischen Florett und in die Argumentationskiste seines Organs aus dem letzten Jahrhundert und geisselte die grünen Wahlgewinner/innen recht pauschal als ideologisch verblendet und in ihren Vorschlägen, wie der Klimaveränderung entgegengewirkt werden könnte, als wirtschaftsfeindlich und wertvernichtend. Die freie Wirtschaft wird’s in Eigenverantwortung auch diesmal schon richten, dieses ewige Credo des Wirtschaftsliberalismus, klingt etwas hilflos angesichts von Flugpreisen von unter 100 Franken und der Aggressionsbereitschaft der Gelbwesten in Frankreich.
Warum vergreift sich Herr Gujer im intellektuellen Ton? (Aufgepasst: Hier reagiert ein Mitglied der GLP, nicht der Grünen, Ideologie ist dieser Partei sehr sehr fremd.) Weil er wie manche in der FDP enttäuscht ist, wie kurz vor den eidgenössischen Wahlen die Felle des Sieges den Bach runter schwimmen. Aber da ist die FDP doch selber schuld, hat sie sich in der Klimadebatte im Nationalrat doch wieder ins Lotterbett mit der die wissenschaftlichen Tatsachen verleugnenden Partei der Verlierer des Fortschritts gelegt… Und als Frau Gössi die Reissleine zog, da waren sie schon weg, die Stimmen von Leuten, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.

Aber das alles ist natürlich noch hochanständig und gehaltvoll angesichts des stumpfen Zweihänders, mit dem Herr Roger Köppel wild um sich schlägt und sich zur Lachnummer dieser Wahlen machen wird. Von den schenkelklopfenden biertrinkenden Mannen des «white trash» in Festzelten angetörnt und dem langsam zu gewisser Senilität neigenden alten Mann in Herrliberg motivert, gibt er die Schuld nicht etwa der Klimaerwärmung und den fossilen Brennstoffen, sondern – hört nun ganz gut hin – den «grünen und linken» Lehrkräften, die die Jugend verderben. Also, liebe Eisbären, rennt in die Zürcher Gymnasien und fresst sie auf, diese bösen Philosophie-, Geographie- und Physiklehrer, die Eure Existenz gefährden. Na also, Herr Köppel, da hört doch selbst der minime Verstand auf (wenn Herr Somm argumentiert, warum es blöd ist, für immer auf die Atomkraft zu verzichten, da ist er sachlich stark, aber Sie nicht)! Doch er lechzt seine Niederlage im Ständeratswahlkampf fömlich herbei, er will Märtyrer sein. Wissen Sie was: Ich habe ehrlich Mitleid mit Ihren Kindern, können Sie denen noch in die Augen sehen?

Heinz Angehrn

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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