Enzyklika Laudato si: Kirche im Dialog

«Die Kirche wird kraft ihrer Sendung, die ganze Welt mit der Botschaft des Evangeliums zu erleuchten und alle Menschen aller Nationen, Rassen und Kulturen in einem Geist zu vereinigen, zum Zeichen jener Brüderlichkeit, die einen aufrichtigen Dialog ermöglicht und gedeihen lässt» (GS 92). So nimmt das II. Vatikanum am Ende der Pastoralkonstitution den Gedanken des Dialogs wieder auf, der in GS 3 programmatisch vorangestellt ist und einen roten Faden durch die Pastoralkonstitution bildet. Ausdrücklich wird die Bereitschaft zu einem innerkirchlichen, ökumenischen, interreligiösen und universalen Dialog erklärt.
Studiert man nur schon die Anmerkungen der am 18. Juni 2015 erschienenen Enzyklika, so fällt eine breite Palette von Dialogpartnern auf.
Wie schon das Apostolische Schreiben Evangelii Gaudium zitiert die Enzyklika zahlreiche nationale Bischofskonferenzen. Die Kirche inspiriert sich nicht nur von der Spitze her, sondern lebt aus dem Dialog zwischen den Ortskirchen, wie er hier durch den Papst befördert wird (ist er es doch, der die rechtmässigen Verschiedenheiten der Ortskirchen schützt und dafür sorgt, dass sie der Kirche nicht schaden, sondern dienen: vgl. LG 13).
Besonders erfreulich ist es, dass schon zu Beginn prominent der Ökumenische Patriarch Bartholomaios zu Wort kommt. GS 92 hatte die Absicht erklärt, «in immer grösserer Übereinstimmung mit dem Evangelium» interkonfessionell zusammenzuarbeiten, «um der Menschheitsfamilie zu dienen». Vielleicht erstmals in lehramtlichen Texten war 1995 in der Ökumene-Enzyklika von Papst Johannes Paul II. die Stimme der Ökumene hörbar geworden. Ansonsten blieben die Enzykliken der Päpste jedoch eher binnenkatholisch orientiert.
Wie nur etwas versteckt deutlich wird, zitiert die Enzyklika islamische Mystik (vgl. Anm. 159) und endet mit einem Gebet, «das wir mit allen teilen können, die an einen Gott glauben, der allmächtiger Schöpfer ist» (Nr. 246). In GS 92 wendet sich das Konzil «allen zu, die Gott anerkennen und in ihren Traditionen wertvolle Elemente der Religion und Humanität bewahren» mit dem Wunsch, «dass ein offener Dialog uns alle dazu bringt, die Anregungen des Geistes treulich aufzunehmen und mit Eifer zu erfüllen».
Die Enzyklika zitiert Paul Ricoeur, die Rio-Erklärung sowie die Erd-Charta von Den Haag und löst so das Versprechen von Gaudium et spes ein, den Dialog mit allen Menschen guten Willens zu führen und sich zusammen mit anderen Akteuren um das Wohl der Menschheit zu sorgen.
(emf)

Konzilsblogteam

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