Religion lehren und lernen: konzentrierte Vielfalt

Die zahllosen Aussagen und Impulse des Konzils, die für die Weitergabe des Glaubens von Bedeutung sind, bündelte die Gemeinsame Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland, die 1971–1975 in Würzburg abgehalten wurde, u.a. im Beschluss «Der Religionsunterricht in der Schule».
Der Synodenbeschluss ist bleibend aktuell. So sieht er zunächst die Vielfalt als Chance religiösen Lehrens und Lernens an: «All das führt dazu, dass Inhalte des Glaubens – bei allem Willen zu grundsätzlicher Wahrung der katholischen Einheit – nicht mehr uniform, sondern pluriform ausgesagt werden. Das erschwert die Beschreibung eines Religionsunterrichts, der ‹in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften› (GG [= Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland] 7,3) erteilt wird. Die Kirche hat nach wie vor legitimierte Instanzen, die authentisch erklären können, was den Grundsätzen entspricht. Spätestens seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil wissen wir, dass eine vorher nicht gekannte Vielfalt von Auffassungen und Spielarten der Glaubenspraxis im Rahmen dieser Grundsätze möglich ist.»
Weiterhin gibt der Synodenbeschluss ein Mittel an die Hand, mit der Vielfalt konstruktiv und konzentriert umzugehen: «Da sich der christliche Glaube an die geschichtliche Offenbarung Gottes gebunden weiss, ist der Religionsunterricht wie die Theologie notwendig verwiesen auf die Hl. Schrift und deren Entfaltung im Leben und Glauben der Kirche. Dies bedeutet jedoch nicht, dass der Religionsunterricht alle biblischen Texte und alle Lehren der Kirche vollständig und mit demselben Gewicht behandeln muss. Zunächst sind altersspezifische Voraussetzungen zu berücksichtigen. Darüber hinaus muss sich der Religionsunterricht entsprechend den Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils über die Hierarchie der Wahrheiten (UR 11) auf das Fundament des Glaubens konzentrieren und das Gesamt des Glaubens vom Zentralen her verstehen. In den vielen Glaubenswahrheiten soll die Mitte des christlichen Glaubens erfasst werden. In solcher Weise ermöglicht der Religionsunterricht entsprechend seiner Eigenart eine lebendige Weitergabe des Überlieferten.»
Nebenbei bemerkt sei, dass der Churer Dogmatiker Johannes Feiner die hier in ihrer religionspädagogischen Relevanz entfalteten Aussagen des Konzils über die Hierarchie der Wahrheiten massgeblich geprägt hat (s. Konzilsblog vom 25.11.2013: http://www.kirchenblogs.ch/d/blogs/konzilsblog/m107866/share).
(mq; um unmittelbares Nach- und Weiterlesen zu ermöglichen, wird zitiert aus der Online-Version des zitierten Synodenbeschlusses: http://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/Synoden/gemeinsame_Synode/band1/04_Religionsunterricht.pdf.)

Konzilsblogteam

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