Sprachbegabter Brückenbauer

Dom Helder Camara gehörte zu den Sprachbegabten, die mit dem Sprachengewirr des Konzils (siehe Beitrag von gestern) gut zurechtkamen.
Der grosse Brückenbauer zwischen Bischöfen verschiedener Nationen und Kontinente schreibt während der dritten Konzilssession einmal, er freue sich wie ein Kind, dass er auf Englisch fast genauso wie auf Französisch zurechtkomme (CaLe 2,673). Wenig später blickt er zufrieden auf einen Vortrag auf Italienisch zurück, bei der er diese Sprache wie ein Instrument beherrscht habe (CaLe 2,726). Bedauernd stellt er aber fest: «Es fehlt das Deutsche. Aus Liebe zum Dialog, um des Durstes zu dienen willen, werde ich versuchen, was ich bislang noch nicht machen konnte: in meinem Alter Deutsch lernen» (CaLe 2,670). Mit Blick auf eine Reise in die Schweiz fragt er sich einen Tag später: «Wird es mir gelingen, auch auf Deutsch zu sprechen?» (CaLe 674). Als nach einem Gespräch mit Kardinal Joseph Frings freundschaftliche Empfindungen aufkommen, notiert er: «Ein Grund mehr, deutsch zu lernen» (CaLe 2,723).
Es blieb bei dieser Absicht, Deutsch zu lernen. Jedoch muss Dom Helder Camara ein sehr ausgeprägtes Sprachgefühl gehabt haben, was sich darin äusserte, dass er bei Übersetzungen seiner in Portugiesisch gehaltenen Vorträgen auf Deutsch genau merkte, ob der Übersetzer (z.B. Horst Goldstein) Dinge verkürzt, Nebensätze weggelassen hatte. Camara wiederholte dann jeweils höflich den Satz nochmals auf Portugiesisch und bat den Übersetzer, das Ganze zu übersetzen …
(Giancarlo Collet; emf)

Konzilsblogteam

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