Kurzbesprechungen

Ivo Fürer: Kirche im Wandel der Zeit. Konzil, Synode 72 und die Zusammenarbeit der Bischöfe Europas. Edition NZN bei TVZ. 2019. ISBN-13: 978-3290201685. 156 S., CHF 20.

«Die Synode 72 hinterliess rund 500 Seiten wertvoller Texte, die auch heute mit Gewinn zur Hand genommen werden.» So schreibt der frühere St. Galler Bischof Ivo Fürer in seinen Lebenserinnerungen. Nach der Schilderung seiner Studien in Innsbruck und Rom orientiert er über die Vorbereitung, den Ablauf und die Bilanz der Synode 72, die er zu weiten Teilen initiiert und dann auch geprägt hat.

Sehr aufschlussreich sind die Erinnerungen an seine Zeit beim Rat der Europäischen Bischofskonferenzen/CCEE, deren Sekretär er viele Jahre war. Die Bilanz dieser Zeit zeigt Ivo Fürers Schaffenskraft. Er hat 217 grösstenteils recht komplizierte Sitzungen und Tagungen organisiert sowie 24 Länder besucht, davon zahlreiche im damaligen Ostblock gelegene.

Der Autor verschweigt keineswegs die Spannungen, die zwischen den Gremien der europäischen Bischöfe und dem Vatikan bestanden. So gelang diesem das «Kunststück», die Synode für Europa hinter dem Rücken des CCEE zu organisieren. Der Sekretär wurde übergangen, das grosse Wissen zahlreicher Akteure der europäischen Zusammenarbeit der Bischöfe nicht abgerufen.

Walter Ludin

Zitat

«Den Westen bekehren»

Papst Johannes Paul II. war der erste Papst aus Osteuropa und ein typischer Vertreter der katholischen Kirche in Osteuropa, deren Bestreben es war, den Westen zu bekehren. Sie betrachtete sich als Hüterin des wahren Glaubens und hatte Angst, jegliche Art von Veränderung würde sie schwächen.

Ivo Fürer in: Kirche im Wandel der Zeit


Ulrike Blatter: Der Hütejunge. Eine Kindheit im Krieg. Cmz 2019. 978-3-87062-295–. 350 S., CHF 30.90.

Wer in einem Land lebt, in dem es seit Jahrhunderten keinen Krieg gab, sollte dieses Buch lesen. Es lässt erahnen, wie grauenvoll der Krieg ist. Die bisher vor allem durch mitreissende Krimis bekannt gewordene Ärztin Ulrike Blatter erzählt von einer Familie, die in einem kleinen Dorf in der Eifel lebt. Anfänglich ist dort bis hinein in die 1940er-Jahre von den Schrecken des Dritten Reiches und des Zweiten Weltkriegs  nicht sehr viel zu spüren. Doch allmählich nähert sich der Horror dem idyllischen Dorf. Er erreicht während der Ardennen-Offensive von Ende 1944 seinen Höhepunkt: 75 Prozent der Häuser werden zerstört werden. Die ganze Bevölkerung ist während Jahren dem Hunger ausgeliefert.

Die Autorin stützt sich auf die Erinnerungen ihres Vaters – des «Hütejungen» – und die Erzählungen ihrer Verwandtschaft. Es gelingt ihr, die Geschichten einer verlorenen Kindheit in packender Sprache wiederzugeben. Sie verändert das Geschehene sehr geschickt fiktiv und doch in grosser Nähe zu den Fakten. Ihr spannend zu lesendes Buch hilft mit, dass die Geschichte sich nicht wiederholt.

Walter Ludin


Publik-Forum Extra: Zartheit. Vom Leben sanft geküsst. 36 S., Grossformat. CHF 10./ Euro 8.. Zu beziehen bei: Publik-Forum, Postfach 2010, D-61410 Oberursel. E-Mail: verlag@publik-forum.de

«Viel Kälte ist unter den Menschen, weil wir es nicht wagen, uns so herzlich zu geben, wie wir sind.» (Albert Schweitzer). Diese Überzeugung steht hinter dem neuesten Heft von «Publik-Forum Extra». Es zeigt überraschende Zugänge zum Thema «Zärtlichkeit», zum Beispiel über das zärtliche Verhalten von Tieren oder über die aussergewöhnliche Welt von Hochsensiblen. Wie immer: Die originell illustrierte Broschüre eignet sich als Geschenk, nicht nur zur Weihnachtszeit …

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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