Mein Mittwochmorgen-Eintrag kommt heute etwas später und etwas kürzer daher, als sonst gewohnt und geplant. Grund ist das Eintreffen des neuen dritten Hausbewohners hier im Tal. Per Foto habe ich ihn ja schon angekündigt, nun aber ist er in voller Lebendigkeit zu erleben. In seinem köstlichen Tiertagebuch «Auf den Hund gekommen» hat der auf der Flucht vor den Nazis durch die halbe Welt irrende und schliesslich in Locarno-Monti sein Zuhause findende jüdische Reiseschriftsteller Richard Katz eigentlich alles Wesentliche schon gesagt, was passiert, wenn ein Welpe in ein friedliches Erwachsenen-Heim einbricht und in den ersten Lebenswochen alles Mögliche in seinem Übermut zerlegt, benagt und in Fetzen liegen lässt.
Miro tut solches, seit er vor fünf Tagen angekommen ist. Er interessiert sich für Schuhe, Finken, Socken, Zeitungen und kennt natürlich noch keine Gefahren. Was Kinderhalter in leidigen 18 (bis 25 Jahren, manche Kinder, speziell Söhne, werden ja lange nicht erwachsen…) via Babyzeit, Kindheit und Pubertät erleiden müssen, das macht der/die Hundehalter/in in einem guten halben Jahr mit, bevor er dann (das ist der grosse Unterschied zu Kindern!) einen treuen und zuverlässigen Begleiter durch viele Lebensjahre hat, von dem er dann einmal in grosser Trauer Abschied nehmen muss.
Bei Miro (Name von Don Ramiro, dem Prinzen aus Rossinis «Cenerentola») handelt es sich übrigens um einen reinrassigen Bergamasker, der zu voller (ca. 32 Kilo) Grösse herangewachsen in Italien bis heute als «cane pastore» Schafherden in Wind und Wetter in seinem gewaltigen Allwetterfell getreulich begleitet und bewacht. Wenn dann das Nagen und Toben vorbeigezogen ist, wird er uns als seine Herde betrachten.
Heinz Angehrn
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant