Karl-Josef Kuschel: «Dass wir alle Kinder Abrahams sind …». Helmut Schmidt begegnet Anwar as-Sadat. Ein Religionsgespräch auf dem Nil. Patmos 2018. 978-3-8436-1096-4. 237 S. CHF 37.90
Als im Jahre 1977 der ägyptische Staatspräsiden Sadat dem deutschen Bundeskanzler auf einer Nil-Fahrt unter sternenklarem Himmel erklärte, dass die Juden, die Christen und die Muslime Abraham als den gemeinsamen «Vater im Glauben» haben, war dies den wenigsten Gläubigen bekannt. Ebenso sprach kaum jemand von den vielfachen Überschneidungen von Bibel und Koran.
Inzwischen bezeichnet man die drei Gemeinschaften als «abrahamitische Religionen». Doch es kommt immer noch viel zu selten vor, dass Gläubige daraus Konsequenzen ziehen.
So ist das vorliegende Buch keineswegs überflüssig. In der Mitte wird die Begegnung der beiden zu Freunden gewordenen Staatsmänner anschaulich geschildert, nachdem am Anfang das Profil der beiden Politiker geschildert wird. Der letzte Teil zeigt ausführlich, wie das Konzept der «abrahamitischen Religionen» zum Frieden beitragen könnte, auch, aber keineswegs nur im Nahen Osten.
Zitat
Palästina-Israel
«Weitergekommen ist man seither (Camp David II./2000; Taba/2001) nicht. Im Gegenteil: Und bis heute ist die ungeklärte Situation der Palästinenser (›Zwei-Staaten-Lösung’) einerseits und die exzessive Siedlungspolitik Israels andererseits eine brennende Wunde der Nahost-, ja der Weltpolitik. Die von hier ausgehenden inneren und äussern Spannungen können jederzeit eskalieren, ja explodieren und die Welt mit ins Verderben reissen.»
Karl-Josef Kuschel: «Dass wir alle Kinder Abrahams sind …» S. 117
Juden gegen den Anti-Semitimus-Vorwurf
Auch auf diesen Seiten: Wenn ich Israels Politik kritisiere, wird mir oft der Vorwurf gemacht, Anti-Semit zu sein. Zum Thema zitiere ich hier eine aktuelle jüdische Stimme (Quelle: www.infosper.ch)
Appell an die offizielle Schweiz»
«Wir nehmen als jüdische zivilgesellschaftliche Organisation Stellung, weil uns die Frage etwas angeht, was legitime Kritik an israelischer Politik ist und wo sie antisemitisch begründet sein könnte. Weil wir Partei nehmen für Demokratie und Gerechtigkeit in Israel/Palästina und selber mit dem Antisemitismus-Vorwurf, resp. dem Vorwurf des «jüdischen Selbsthasses» konfrontiert sind. Weil wir für den Erhalt der demokratischen Prinzipien und Praxis einstehen und wir den eingeschränkten Raum für zivilgesellschaftliche Aktivitäten nicht hinnehmen wollen.
Es ist die Aufgabe der offiziellen Schweiz gegen jeglichen Antisemitismus als Feindschaft und Hass gegen jüdische Menschen, weil sie jüdisch sind, aktiv vorzugehen. Wir appellieren aber auch an die Schweizer Regierung, den zivilgesellschaftlichen Raum für Organisationen und Personen, die die israelische Politik kritisieren, nicht einzuschränken. Wir fordern sie auf, wo immer auf Grund von Ideologien gewaltfreie Kritik an der israelischen Politik behindert wird, dies zu problematisieren und sich öffentlich und aktiv dagegen einzusetzen. (…)
Zürich, 25. November 2018
Jüdische Stimme für Demokratie und Gerechtigkeit in Israel/Palästina, jvjp.ch,
8000 Zürich;
www.jvjp.ch
Dazu der Infosperber:
Es sind also nicht «die» Juden, die Kritik an Israel verhindern wollen, es ist die Regierung Netanyahu und es ist die Israel-Lobby, die, Menschenrechte hin oder her, diese Maulkorb-Politik betreiben – im Interesse der Politik Netanyahus und seiner Anhänger in Israel und in den USA.
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.blogs-kath.ch/muslime-und-juden-koennen-sich-versoehnen/