Braucht es eine Synode 2020?
Am letzten Samstag im November führte die Tagsatzung.ch in Zürich eine Tagung über die Partizipation in der Kirche durch. Ausgangspunkt war das baldige 50-Jahr-Jubiläum der Synode 1972 in der Schweiz. Der Verein Tagsatzung.ch macht sich dafür stark, dass auf das Jubiläum im Jahr 2022 hin eine neue Synode die brennenden Themen der Kirche und der Gesellschaft diskutiert. (www.tagsatzung.ch)
Ich durfte an der Versammlung ein Kurzreferat halten über meine Erfahrungen an der Synode 72. Damals war ich Pressechef der Synode im Bistum Basel. Hier einige Abschnitte:
Ich bin sehr dankbar, dass ich hier über die Synode 72 sprechen darf. Wenn ich das sage, ist es nicht bloss eine Floskel. Nein, es ist mir ein Bedürfnis, weil das es nicht selbstverständlich ist, wenn hier die Synode 72 zur Sprache kommt. Vor über 15 Jahren sagte mir ein Mann aus dem – sagen wir – mittleren Kader des Bistums Basel: «Du mit deiner Synode 72. Schon lange ists her. Wir haben andere Zeiten.» Ich kam mir vor wie ein Veteran, der von der «Aktiv-Dienstzeit» schwärmt ….
Ja, Recht hatte er, schon lange ists her. Umso mehr denke ich nicht nur mit Nostalgie, Dankbarkeit und etwas Stolz auf diese Zeit zurück; aber auch mit Wut, Enttäuschung. Es ist beispielsweise dann der Fall, wenn jemand sich fortschrittlich fühlt, wenn er sich für eine bessere Behandlung von geschiedenen Wiederverheirateten einsetzt; oder wenn der Papst auch nur in einer Fussnote sich darüber Gedanken macht. Ich frage mich dann, in welcher Welt oder in welchem «Betrieb» wir arbeiten. Denn vor vielen, vielen Jahren hat unsere Synode das auch gesagt und wohl noch etwas deutlicher. Aber es ist nichts geschehen, auch nach so langer Zeit.
(…)
Ich kann hier nicht eine Bilanz der Synode 72 liefern. Es müsste lange von verpassten Chancen die Rede sein; vor allem davon, dass der Vatikan kein Gehör hatte für ihre Vorschläge, vor allem auch für die Schaffung eines schweizerischen Pastoralrates – obwohl die Bischöfe sich redlich darum bemühten. Ich erinnere mich an das 1. Gesamtschweizerische Pastoralforum von 1978 in Einsiedeln, das auf die Synode und ihre Ergebnisse zurückschaute. Diplomatisch sagte der damalige Vorsitzende der Bischofskonferenz, Pierre Mamie, es sei aus Rom «noch keine definitive Antwort eingetroffen». Im Klartext: Die Antwort war enttäuschend und wir haben sie nicht akzeptiert.
Trotz diesen Aspekten war die Synode keineswegs vergebens. Nur zwei Dinge dazu:
Ein Satz zum Schluss: In einem Artikel, den Willy Büntner 25 Jahre nach der Synode publizierte, heisst es: «Die für das nächste Jahr geplante Tagsatzung im Bistum Basel weckt die Hoffnung, dass der Geist der Synode wiederkehrt.»
Auch darüber lässt es sich diskutieren.
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant