Die Zentenarfeier der Seligsprechung von Petrus Canisius

Im Juni 1865 feierte Freiburg im Üechtland die Seligsprechung seines Glaubensapostels und Kollegiumsgründer Petrus Canisius (1521–1597) mit einem festlichen Triduum. Pilgerzüge aus der Schweiz, Holland, Deutschland und Österreich brachten Tausende von Gläubigen an dessen Grab in der Kirche St. Michael.
100 Jahre nach diesem Grossereignis und 40 Jahre nach seiner Heiligsprechung (1925) ordnete der Freiburger Bischof Franziskus Charrière auf Sonntag, 2. Mai 1965, eine Diözesanwallfahrt an. Die Französischsprachigen waren zu einem Morgengottesdienst in die Aula der Universität eingeladen, die Deutschsprachigen, auch aus anderen Kantonen, zu einer Gedenkfeier in der Kollegiumskirche St. Michael, mit einer Festpredigt des Konzilsbeobachters Mario von Galli SJ und einem «Wort des Laien» von Staats- und Ständerat Alfons Roggo.
Die Universität Freiburg führte am 26. April 1965 einen Festakt mit dem Jesuiten Burkhart Schneider, Professor für Kirchengeschichte an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom und ein Schüler von Hugo Rahner, durch.
Viele andere Anlässe zeigen auf, dass ganz Freiburg in diesem letzten Konzilsjahr auf den Beinen war, um eines Mannes zu gedenken, der rund um die Zeit des Trienter Konzils in der damaligen römisch-katholischen Kirche eine eminent wichtige Rolle in der Erneuerung der nachtridentinischen Kirche einnahm.
Heute, 150 Jahre nach seiner Seligsprechung, steht Petrus Canisius in der Gefahr, vergessen zu werden. Die Kirche St. Michael in Freiburg mit seinem Grab ist heute meistens nicht zugänglich und dient den Anhängern des tridentinischen Ritus zur Feier vorkonziliärer Messen. Ob der kirchentreue Petrus Canisius daran Freude hätte? Wohl kaum. Versuche einer Translation der Überreste von Petrus Canisius in die Kathedrale von Freiburg, wo der Heilige regelmässig und mit grossem Erfolg gepredigt hatte, schlugen leider kürzlich fehl. Eine verpasste Chance, weil Petrus Canisius es verdient, auch heute gelesen, geachtet und als spiritueller Führer beachtet zu werden. Auch nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil lohnt sich der Blick auf kirchliche Reformer früherer Zeiten.
(ufw; vgl. Zentenarfeier zu Ehren des hl. Petrus Canisius, in: SKZ 133 [1965], Nr. 16, 200 f.).

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