Leichtere Kost – Neues aus dem LAC

Bevor ein Bergamaskerwelpe in unser einigermassen friedliches Leben und Zuhause einbricht und es dementsprechend für etwa sechs Monate dominiert, nochmals Ausflüge nach Lugano in die schöne Welt der Sinfonik und in die hier schon geschilderte prächtige Akustik dieses Saals:

Das OSI, das Orchestra della Svizzera Italiana, hat in den letzten Jahren eine wilde Entwicklung durchlebt. Nachdem die SRG zunächst beschlossen hatte, es nicht mehr zu finanzieren, stand sein Überleben trotz einem recht guten Renommee auf der Kippe. Blosses Aufschreien nützt ja bekanntlich nichts, wenn die Millionen fehlen! Doch das Erstaunliche geschah: Dank grossem und (für den Tessin erstaunlich) regional solidarischem Support konnte es in die Selbstständigkeit entlassen werden, mietete sich für die grossen Konzerte im LAC ein, und erhielt unter seinem Chefdirigenten Markus Poschner gute internationale Aufmerksamkeit und für die Einspielung der Brahms-Sinfonien auch bereits eine Auszeichnung (ICMA für «rileggendo Brahms»). Dass  der Vertrag mit Poschner bis Ende der Saison 21/22 bereits verlängert wurde, lässt Gutes ahnen.

(Natürlich sind wir auch etwas misstrauisch, ob Nachhaltigkeit gegeben ist. Doch wir sehen, dass die Saison-Abos gut, besser als etwa in St.Gallen – bei einem deutlich grösseren Platzangebot – ausgebucht sind. Und wir sehen, dass ein Bratschist der zweiten Reihe von St.Gallen nach Lugano gewechselt hat, was etwas über die Entlohnung aussagt…)

Es traten also auf:
– Der junge armenische Violinist Sergey Khachatryan mit dem spätromantischen einzigen Violinkonzert von Jean Sibelius (als zweite Zugabe spielte er dann Volksmusik aus seiner Heimat und erwähnte in der Ansage die leidvolle Geschichte seines Volkes) und als Gastdirigent der Russe Valentin Uryupin mit Piotr Iljitschs Zweiter, der «Kleinrussischen».
– Der «Hauptgastdirigent» (direttore ospite principale) des Hauses und Orchesters, der seit langem in der Schweiz lebende 83jährige Vladimir Ashkenazy, mit einem Mozart- und Sibelius- (seiner selten gespielten Suite zu Maeterlincks «Pélleas er Melisande») Programm. Dass daneben der Pole Piotr Anderszewski im düsteren Klavierkonzert KV 491 im Einsatz war, ging ob der Begeisterung für den Elan und die Vitalität des «alten Mannes» fast etwas unter. Natürlich Chopin als Zugabe, später sahen wir dann in einem Luganeser Weinlokal, wie der Solist die Speisekarte testete. Er spielt aber besser, als dies befürchten liesse…

Es macht Freude, das OSI im LAC. Nächstes Highlight: Der Silvesterabend um 18.30 mit Argerich und Dutoit. Gran cosa! Leider ohne uns, siehe oben.

Heinz Angehrn

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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