Kardinal Giacomo Lercaro gehörte zu den grossen Mitgestaltern und Wortführern des vergangenen Konzils. Aufgrund seiner organisatorischen Leistungen, vor allem aber wegen seiner theologisch-pastoralen Beiträgen nannte ihn Kardinal Léon-Joseph Suenens einmal «Vater der Kirche», «eine der kompetenten Stimmen auf dem Konzil». Die beiden bildeten mit Kardinal Julius Döpfner und Kardinal Grégoire-Pierre Agagianian das Moderatoren-Team, das bei den Konzilsvätern hohes Ansehen genoss und von ihnen scherzhaft «die vier Evangelisten» genannt wurde. Suenens, Lercaro und Döpfner galten bei ihnen als die Synoptiker, während Agagianian als Johannes betrachtet wurde. In einem Brief vom Konzil schreibt Lercaro: «Sie nennen uns die vier Grossen aber auch die vier Evangelisten. Und wir finden, dass wir drei gut getroffen sind, die drei Synoptiker mit Suenens als Markus, weil er Leo heisst und Markus mit dem Löwen symbolisiert wird, ich wäre dann Lukas, weil meine Sympathie für Lukas (den Evangelisten der Armen) bekannt ist. Döpfner ist notwendigerweise Matthäus … während der vierte, Agagianian, wie Johannes mit den Synoptikern übereinstimmt, aber eine eigene Linie hat.»
Faktisch übernahmen die Moderatoren die Leitung des Konzils, was notwendigerweise nicht nur mit einer Unmenge von Arbeit verbunden war, sondern auch zu Spannungen zwischen ihnen und dem ursprünglich von Kurialen besetzten, aber «entmachteten» Präsidium des Konzils und dessen Gefolgschaft führte. Als Moderator musste Lercaro gelegentlich Kollegen zur Ordnung rufen, wie er schreibt: «Es berührt mich unangenehm, Bischöfe zur Ordnung rufen zu müssen und ihnen das Wort zu entziehen.»
(Giancarlo Collet)
Konzilsblogteam
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