Erster offizieller Besuch eines Kardinals seit 1054 in Konstantinopel

Am 3. April 1965 besuchte erstmals seit 1054 ein Kardinal in offizieller Mission den ökumenischen Patriarchen, nämlich Augustin Kardinal Bea, der Präsident des Sekretariates für die Einheit der Christen. Zwar war bereits Franz Kardinal König 1961 bei Athenagoras in Konstantinopel zu Besuch, aber noch rein privat.
Augustin Bea flog am 2. April 1965 nach Istanbul, begleitet von seinem Sekretär Mgr. Willebrands und dem Untersekretär der orientalischen Abteilung, P. Duprey. Am Vorabend hatte das ökumenische Patriarchat von Konstantinopel ein Begrüssungscommuniqué veröffentlicht, das die grosse Bedeutung des Besuchs hervorhob: «Der brüderliche Besuch der Delegation unter der Leitung von Kardinal Bea, dem Präsidenten des Sekretariates für die Einheit der Christen, wird eine neue Etappe auf dem Weg der Annäherung und des Einverständnisses der beiden Kirchen darstellen.»
Kardinal Bea wurde am 3. April im Phanar zu Konstantinopel empfangen. Bea überbrachte dem Patriarchen ein persönliches Schreiben von Paul VI. und ein kostbares goldenes Kruzifix von Johannes XXIII. Am Sonntag, 4. April 1965, wohnte die römische Delegation der Eucharistiefeier des ökumenischen Patriarchats zu Istanbul bei. Als Kardinal Bea das Gotteshaus betrat und von Athenagoras mit dem Bruderkuss empfangen wurde, brachen die Anwesenden in stürmischen Jubel aus.
Ein Besuch der theologischen Hochschule in Chalki und beim armenischen orthodoxen Patriarchen, der am Konzil durch Beobachter vertreten war, bildeten weitere Besuchsetappen, bevor die Delegation am 5. April 1965 nach Rom zurückflog.
(ufw; J.B.V. [Johann Baptist Villiger]: Kardinal Bea bei Patriarch Athenagoras, mit Veröffentlichung der wesentlichen Teile der Rede von Kardinal Bea, in: SKZ 133 [1965], Nr. 15, 186 f.)

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