Gespräche im Nahen Osten

Der Besuch in Konstantinopel/Istanbul Anfang April (siehe Blogeintrag von gestern) liegt gerade erst zurück, als am 22. April 1965 der damalige Sekretär des Sekretariates für die Förderung der Einheit der Christen Jan Willebrands im Auftrag von Papst Paul VI. nochmals auf die Reise in den Nahen Osten geht. Begleitet wird er vom Untersekretär Pierre Duprey, der für die Pflege der Kontakte mit den orthodoxen Beobachtern zuständig ist. Stationen der Reise, die bis zum 30. April dauert, sind Beirut, Jerusalem, Kairo und Addis Abeba.
Die beiden Delegaten des Sekretariates für die Förderung der Einheit der Christen treffen zahlreiche Verantwortliche von orientalischen Kirchen. Gegenstand der Gespräche ist vor allem die Sorge, eine Erklärung des Konzils zu den Juden könne scharfe und gewaltsame Reaktionen der arabischen Welt zuungunsten der Christen hervorrufen. Dabei wären nicht nur Christen der römisch-katholischen Kirche betroffen, sondern auch die orthodoxen Christen.
Im Tagebuch von Willebrands werden lediglich nüchtern die Namen der Gesprächspartner und die Daten und Uhrzeiten des dichten Programms wiedergegeben. Schon dies lässt aber erkennen, mit welcher Sorgfalt die brisante Frage angegangen wird. Sondiert werden verschiedene Lösungen: von Retuschen des Textes (die Aussage, die den Vorwurf des Gottesmordes zurücknimmt, tilgen; den Antisemitismus nicht besonders erwähnen) bis hin zum Verzicht auf der Promulgation der Erklärung.
(emf; vgl. A 4,649f)

Konzilsblogteam

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