«Wie aber Christus das Werk der Erlösung in Armut … verfolgte …» (LG 8)
Für Kardinal Lercaro ist Armut Ausdruck der Liebe zu Gott und zu den Armen, «die vornehmste Form und das Gesicht der Liebe». Den Grund dafür sieht Lercaro im Geheimnis Christi, in seiner Menschwerdung, der Kenosis. «Das Geheimnis der Armut Christi ist der Grund für die Armut der Kirche und ihrer Sendung zu den Armen.» Deshalb bleibt das Zeugnis der Diakonia, besonders der Dienst an den Armen, zentral. Das verlangt von denen, die diesen Dienst ausüben, eine Verwurzelung im Geist der Armut: «Ihr könnt kein aufrichtiges Zeugnis für das Evangelium geben, wenn ihr nicht verwurzelt seid in der Haltung der Armut.»
In den Armen der Welt ist Christus gegenwärtig – sie sind das Sakrament Christi unter den Menschen –, die der Kirche entgegenkommen, um von ihr bedient zu werden. «Wir sind umgeben von so viel Schmerz, Trauer, Krankheit, Unrecht und Schuld … Für diese verwirrte und gebeugte Welt haben die Christen apostolische Verantwortung: ihr Herz muss offen sein für alle Not der Menschen … sie haben … ihnen das Wort und durch das Leben die Liebe Christi zu bringen …» Christus, der in den Armen bei Lercaro um Einlass bat (vgl. Mt 25,14-40), «um aufgenommen, genährt und bekleidet zu werden», bildete seine innere Motivation für die Gründung der «Famiglia» und seine tatkräftige Herzlichkeit allen Bedürftigen gegenüber.
(Giancarlo Collet)
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