Die theologische Begründungs- und Definitionsarbeit am Missionsbegriff ist nur zu verstehen, wenn man die konkreten Konflikte und Probleme sieht, mit denen die Akteure zu tun hatten oder von denen sie geprägt waren.
Zum einen gab es die Vertreter der Missionsorden und der Bischöfe in den «jungen Kirchen». Diese waren mit ganz praktischen Fragen konfrontiert. Für sie war Mission so sehr mit konkreten Alltagsfragen (Missionsrecht, Ausbildung einheimischer Priester, Abhängigkeit von der Kongregation De propaganda fide, Überwindung kultureller Barrieren für die Verbreitung des Glaubens…) verbunden, dass sie eher weniger Verständnis für eine grundsätzliche theologische Reflexion aufbrachten.
Auf der anderen Seite standen Theologen, die von den Erfahrungen der französischen Arbeiterpriester und der Mission der France und der Mission de Paris geprägt waren. Hier hatte man seit den 1940 Jahren begonnen, die missionarische Frage und Herausforderung als Herausforderung der Kirche auch in Europa selbst zu sehen. Schaute man nämlich genauer auf die Lebenswirklichkeiten in den grossen Städten Europas, so traf man auf eine weitgehende Entfremdung von der Kirche. Das «christliche Europa» wurde zunehmend als Illusion bewusst und es stellte sich die Frage nach der missionarischen Identität der Kirche auch in Europa. Hier begann sich also die Fixierung des Missionsverständnisses auf territoriale Bestimmungen aufzulösen. Man sah, dass die Kirche überall in der «Diaspora» war, wie es Karl Rahner in den 1950er Jahren sagte, als er von der «planetarischen Diaspora» der Kirche sprach. Dementsprechend musste die Kirche auch überall missionarisch sein.
Theologisch wurde Mission schliesslich mit Blick auf die trinitarischen Sendungen, denen sich die Kirche verdankt, als Wesenselement der Kirche – und zwar der ganzen Kirche als Volk Gottes – beschrieben und nicht mehr nur als «Ausnahmezustand» der Kirche in nur denjenigen Gebieten, in denen sie noch nicht voll entfaltet war. (A4, 677ff)
(ab)
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