Für Kardinal Agagianian stand tatsächlich vieles auf dem Spiel, als das Missionsverständnis der Kirche neu aufgerollt wurde. Als Präfekt der Kongregation De propaganda fide war er in umfassender Weise für die zahlreichen sogenannten «Missionen», also die Missionsgebiete weltweit zuständig. Hier repräsentierte er gewissermassen als «Papst für die Missionen» die Kirche und hatte eine umfangreiche Machtfülle. Natürlich musste er daran interessiert sein, das «alte» Missionsverständnis gegen das Konzil zu behaupten. In einer Kommissionssitzung Ende 1964 verlangte er:
«Die Idee der Mission muss vollständig und ohne Zweifel im traditionellen Sinn klar herausgestellt werden. Gleichfalls muss eindeutig dargelegt werden, was ‹tota Ecclesia est missionaria› heissen soll, damit man nicht meint, dass an jedem Ort Mission stattfinde, obwohl doch überall etwas für die Regionen getan werden muss, die wirklich Missionsgebiete sind.» (A4, 677)
Über einige Umwege konnte schliesslich Yves Congar in einer Subkommission der Missionskommission mitarbeiten. Er stand für die neue Ekklesiologie, nach der die ganze Kirche missionarisch sei (und nicht nur gegenüber den «Missionen» hilfsbereit). Congar sah in Agagianians Haltung ganz klar einen Versuch Agagianians, die bislang bestehende jurisdiktionelle Macht über die klassischen Missionsgebiete zu erhalten.
Wie strittig und unklar das Missionsverständnis auf dem Konzil in dieser Phase der Auseinandersetzung war, zeigt sich in der Zahl der Anfang 1965 vorliegenden Textentwürfe für eine neues Missionsschema. Fünf Entwürfe lagen schliesslich vor. Die Kommission setzte sich vor diesem Hintergrund zum Ziel, eine theologische Begründung der Mission zu formulieren und den Missionsbegriff zu definieren.
(ab)
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