Doonbeg

«Wanderer, kommst Du nach Doonbeg», dann wirst Du etwas lernen. Ja so erging es uns schon, als wir nach einem missglücken Versuch, auf dem einfachen Dorfplatz von Kilrush spielen zu können, (missglückt, denn die Damen des Clubs führten einen Ladies Day auf nur 12 Löchern mit Verpflegung unterwegs  – nehme an, da es sich um mittelalterliche Damen handelte, so etwas wie High Tea on the 7th… –  durch und wollten keine fremden Männer mittendrin haben), durch die irische Heide unserem Navigationssystem folgend bis zum nächsten gezeigten Platz irrten und plötzlich (weil von der falschen Seite eingefahren, an einfachsten Surferhütten vorbei) vor einem Monster standen, einem Stück steingewordenen Wahnsinns.

Ich dachte auf der Stelle an Neuschwanstein (mit dem Ludwig II. nebst anderen Spezialausgaben den bayerischen Staatshaushalt ruinierte), auch an die Haut-Koenigsbourg von Wilhelm II. (ein Symbol, das Deutschlands neues Selbstverständnis nach der Staatsgründung anzeigte) und verstand plötzlich ganz anders, wer Mr Donald Trump ist, wie er tickt und warum er so gefährlich ist. Dieses «Trump International Resort» ist in seiner Gesamtanlage eine höchst artifizielle Umsetzung von Kinderträumen, aber es ist eben kein Traum, sondern Realität, die Unsummen an Geld gekostet hat, und darum ein Alptraum. (Ich dachte auch an Mr Goldfingers Antwort an Bond, als der ihn wegen der Sachbeschädigung einer Putten-Statue durch seinen Butler befragt: «Ach wissen Sie, Mr Bond, der Club gehört mir»…)

Doonbeg verfügt über eine in der neusten Neuzeit frisch angelegte Schlossanlage aus dunklem Stein mit Innenhof und Einfahrt durchs Haupttor, es beschäftigt Personal aller Länder (der Ami an der Rezeption, die Osteuropäerinnen à la Melania im Service, der alte Ire am ersten Abschlag), es gibt sich nur mit dem Besten zufrieden, der Name des Schlossherrn steht auf allem, auf der hintersten Serviette, dem kleinste Golfbleistift, ja ist in edlem Metall auf den Fairways bei jeder Distanzangabe eingraviert: das ist, Leute, reinster Irrsinn. Ich dachte daran, wie Ludwig II. endete, ich dache an die Folgen von 1918 in Deutschland und schauderte. Denn Herr Trump ist es ernst, da steht nicht nur sein Name, sondern er hat ein Herrschaftswappen erfunden, das auch überall zu sehen ist, und sein Leitspruch dort lautet «Numquam concedere». Ich glaube nicht, dass er je Latein gelernt hat, aber dieses Motto passt, politisch wie ökonomisch. Und militärisch? [PS: Man beachte die Aussagen von Oswald Grübel kürzlich im Interview.]

Ach ja, und wie erging es uns an dieser Stätte? Wir, die nicht in den Schlosshof eingefahren waren, sondern auf den Angestelltenplätzen parkierten und in verwirrter Haltung durchs Zuckerparadies stolperten, wurden mit verwundert-mitleidigem Blick gemustert und taxiert und erhielten aufgrund dieser Musterung gleich 55% Ermässigung, vom alten Iren auch einige hübsche (schwarz übrigens, alles schwarz) Accessoires geschenkt und durften spielen. Da wurde nun bei mir ein Kindertraum war, aber das war real: der wohl schönste Golfplatz (natürlich ein Links im meterhohen Dünenkraut oberhalb einer kilometerlangen Bay) meines Leben. Wir danken Herrn Trump für seine Gnade. Gespielt habe ich übrigens fürchterlich schlecht, ich war viel zu aufgeregt…

Heinz Angehrn

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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