Nur wenige Wochen vor seinem gewaltsamen Tod erhielt Romero die Ehrendoktorwürde der Universität Löwen (Belgien). In seiner aus diesem Anlass vorgetragenen Rede «Die politische Dimension des Glaubens» wurde deutlich, wie er die «schönen (konziliaren) Erklärungen ein wenig mit Fleisch zu versehen» verstand. Romero sagte u.a.: «Ich werde … zu Ihnen als Pastor reden, der gemeinsam mit seinem Volk die zugleich wunderbare und schmerzliche Wahrheit gelernt hat, dass uns der christliche Glaube nicht von der Welt trennt, sondern uns in sie eintaucht, dass die Kirche nicht ein stilles, verschwiegenes und abgeschlossenes Plätzchen in der Stadt hat, sondern dass sie Nachfolgerin jenes Jesus ist, der mitten in der Stadt, der polis, lebte, arbeitete, kämpfte und starb … Das Problem ist …: Wie muss der Einfluss auf die Welt in sozio-politischer Hinsicht sein, damit er wahrhaft dem Glauben entspricht? »
Mit Rekurs auf die «Anschauung des II. Vatikanischen Konzils, die … die Grundlage für jede kirchliche Bewegung in der Gegenwart abgibt», fuhr Romero in seiner Rede weiter: «Danach besteht das Wesen der Kirche darin, die Welt in ihrer Ganzheit zu retten, sie in der Geschichte zu retten, hier und jetzt. Die Kirche muss sich mit den Hoffnungen und Ängsten, mit den Freuden und Traurigkeiten der Menschen solidarisieren. Die Kirche muss wie Jesus ‹den Armen das Evangelium verkünden, die Unterdrückten erheben, suchen und retten, was verloren ist› (LG 8) … Sie alle kennen diese Worte des Konzils … Um es kurz und knapp zu sagen: Die Welt, der die Kirche dienen soll, ist für uns die Welt der Armen. Unsere salvadorianische Welt ist keine Abstraktion, sie ist auch nicht das, was man in den entwickelten Ländern … unter ‹Welt› versteht. Sie ist vielmehr eine Welt, die fast ausschliesslich aus armen und unterdrückten Männern und Frauen besteht. Und von dieser Welt sagen wir, dass sie der Schlüssel ist zum Verständnis des christlichen Glaubens, des Handelns der Kirche, der Schlüssel zum Verständnis der politischen Dimension des Glaubens und dieses kirchlichen Handelns. Es sind die Armen, die uns sagen, was Welt und was kirchlicher Dienst an der Welt ist. Es sind die Armen, die uns sagen, was die polis, was die Stadt ist, und was es für die Kirche bedeutet, wirklich in der Welt zu leben».
(Giancarlo Collet)
Konzilsblogteam
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