Biblisches Land – Anspruch der Gerechtigkeit
Im Sommer gab es heftige Angriffe gegen den berühmten deutschen Theologen Ulrich Duchrow wegen seinen Aussagen zu Israel. Es wurde ihm Antisemitismus vorgeworfen (auch in einem Kommentar zu einem meiner Blogs). Nachdem sich die Situation beruhigt hat, werfen wir einen nüchternen Blick auf seine Aussagen, die er im Gespräch mit Publik-Forum gemacht hat:
Prophetischer Anspruch
Angesprochen auf seine «theologische Kritik» an Israel meinte Duchrow: «Die Landverheissungen durch JHWH im Alten Testament sind verbunden mit dem Auftrag, Gottes Gerechtigkeit und Frieden in der Welt sichtbar zu machen. Darin besteht die Erwählung.» Die Autoren im 6. vorchristlichen Jh. hätten sich gefragt, warum das Volk ins Exil musste. «Weil es den Bund mit Gott gebrochen habe …Wenn man also das biblische Land beansprucht, muss dieser Anspruch verbunden werden mit dem biblischen Anspruch der Gerechtigkeit. So wie es die Propheten gefordert haben.»
Zwischenbemerkung:
Vor Jahren musste ich für ein kirchliches Gremium den Entwurf einer Erklärung zum Heilig-Land-Konflikt erarbeiten. Ich habe genau diesen Zusammenhang aufgezählt. Das Gremium lehnte ihn ab, weil er zu israel-freundlich empfunden wurde. Die verehrten Damen und Herren konnten nicht unterscheiden zwischen Anspruch und Wirklichkeit …
Mitschuld der Palästinenser?
Auf die Frage, wie weit die Palästinenser Mitschuld trügen an den gewaltsamen Auseinandersetzungen, sagte Ulrich Duchrow: «Es ist ein Unterschied, ob man mit Steinen wirft oder Präzisionswaffen einsetzt.»
Weitere Zwischenbemerkung:
Als ich während der ersten Intifada als Journalist recherchierte, wurde mir in einem Kindergarten (!!!) ein «Gummigeschoss» gezeigt, das die israelische Armee dorthin geschickt hatte. Ich setze «Gummigeschoss» in Anführungszeichen. Denn es bestand aus einer sehr dünnen Schicht aus Gummi, unter dem eine massive Metallkugel war …
Duchrow fügte im Interview hinzu: «Im Prinzip ist es ein Kampf Steine gegen Maschinengewehre – wobei die Mehrheit für gewaltfreien Widerstand eintritt.
Keine Zukunft ohne Gerechtigkeit!
Duchrow erinnert daran, dass das Existenzrecht Israel durch Völkerrecht und UNO legitimiert ist. Aber: «Ich sage, dass ein System, das ausschliesslich auf Gewalt basiert, keine Zukunft hat. Die Gewalt nach aussen verroht und zerstört die Gesellschaft nach innen. Israelis und Palästinenser haben nur gemeinsam Zukunft und die muss auf Gerechtigkeit und Recht aufgebaut sein.»
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.blogs-kath.ch/das-verheissene-land-ist-nicht-gratis/