Vor 35 Jahren wurde Oscar Romero erschossen

Es war in den frühen Abendstunden des 24. März 1980, als der Erzbischof von San Salvador während einer Abendmesse am Altar der Krankenhauskapelle von einem gedungenen Mörder erschossen wurde.
Es brauchte viele Jahre bis der als konservativ geltende Oscar Arnulfo Romero sich von einem ängstlichen und unpolitischen Kirchenmann zum prophetischen Verteidiger der Armen bekehrte. In einem Brief an Papst Johannes Paul II. sagte er von sich, dass er von «konservativer Neigung und Temperament» sei. Wenn eine Idee von Rom, dem Papst, dem Heiligen Stuhl kam, dann zögerte er keinen Augenblick, um sie zu übernehmen und ihr Folge zu leisten. Kam eine solche jedoch von ausserhalb Roms, so bildete diese Tatsache für Romero ein Grund an ihr zu zweifeln. Noch als Erzbischof bemerkte er, dass er die Texte des Konzils und der kurz darauf folgenden 2. Generalversammlung des lateinamerikanischen Episkopates in Medellín beim Wort genommen habe, jedoch nur beim Wort. So bezeichnete ihn sein damaliger Generalvikar einmal als «Märtyrer für das kirchliche Lehramt». Seine den Mitarbeitern gegenüber oft geäusserte Bitte «Helft mir, klar zu sehen!» erfüllte sich jedoch. Was ihm die Augen für die Wirklichkeit zu öffnen begann, war die brutale Wirklichkeit, in der die arme Landbevölkerung in San Salvador zu leben hatte und die konkrete Begegnung mit den Armen und deren alltäglichen Leiden. «Ein Bischof muss immer viel von seinem Volk lernen», bemerkte der einst einsame Entscheidungen treffende Erzbischof.
Seit Anfang Februar ist die Blockade der Seligsprechung von Oscar Arnulfo Romero aufgehoben. Am 23. Mai dieses Jahres wird der ermordete Erzbischof in San Salvador selig gesprochen, nachdem er von seinem Volk längst heiliggesprochen wurde.
(Giancarlo Collet)

Konzilsblogteam

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

https://www.blogs-kath.ch/vor-35-jahren-wurde-oscar-romero-erschossen/