Ein vielsagender Titel

Was ist das wichtigste Wort im Titel der Pastoralen Konstitution Gaudium et spes über die «Kirche in der Welt von heute», so fragte der Utrechter Professor für Pastoraltheologie, Jozef Wissink, regelmässig seine Studierenden. Das Schöne an dieser Frage ist, dass es darauf keine falsche Antwort gibt. Denn der Titel von Gaudium et spes fasst das gesamte Programm dieser Konstitution zusammen.
Die Bezeichnung als «pastorale Konstitution» war ein Kompromiss. Einige fanden, dass Aussprachen des Konzils über konkrete soziale Herausforderungen, wie im zweiten Teil von Gaudium et spes, keinen lehramtlichen Status haben dürften. Ausserdem wollte man die ekklesiologischen Aussagen abschwächen: der Text sei zu wenig aus dem Bewusstsein einer lehrenden Kirche heraus formuliert. In der Tat bestimmt Gaudium et spes die Kirche zunächst als lernende Gemeinschaft, die hören will, was die Welt zu sagen hat. Man hielt letztendlich am Begriff «Konstitution» fest, fügte aber die einschränkend gemeinte Bezeichnung «pastoral» bei. Was als schlechter Kompromiss erscheint, trifft die gemeinte Sache jedoch genau: die Kirche als Ganze soll pastoral werden.
Allgemeine Grunderfahrungen aller Menschen wie Freude und Hoffnung sind dabei der Ausgangspunkt der Konzilsväter. Das Konzil benennt Gemeinsamkeiten, um von daher nach der Bedeutung des Evangeliums zu fragen. Die Kirchesituiert sich also nicht im Gegenüber zur Welt. Es geht Gaudium et spes um die Öffnung der Glaubensgemeinschaft, die Kirche ad extra.
Die Kirche ist nicht selbstgenügsam, sondern sie will sich nach Jesu Vorbild auf die ganze Menschheit hin entgrenzen. Die Welt von heute ist ihr Wurzelgrund und das Evangelium darin eine kontextgebundene Botschaft. Damals wie heute ist eine Analyse vonnöten, was die Gegenwart kennzeichnet. Den Konzilsvätern ging es um sehr konkrete Dinge: Industrialisierung, Globalisierung, Menschenrechte, Migration, neue Kommunikationsmittel, Krieg und Frieden.
Die Antwort, die Jozef Wissink seinen Studierenden gab, war übrigens das kleine Wörtchen «in». Es gibt die Position einer inkarnatorischen Kirche präzise an.
(Stefan Gärtner)

Konzilsblogteam

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