… dass Menschen Menschen werden

Eine organisatorische Verschiebung bei den Unterkommissionen, die in Ariccia zu den einzelnen Sachfragen tagten, macht eine Veränderung sichtbar, um die die Kirche bis heute mit sich selbst ringt. Die Unterkommission für die Würde der Person löste sich in Ariccia auf und teilte ihre Mitglieder auf zwei weitere auf: derjenigen zum Frieden und derjenigen über das politische Leben.
War diese Würde davor so etwas wie ein Sozial-Metaphysicum, das völlig losgelöst von konkreten Auseinandersetzungen gilt, wird sie nun zu einer Ressource in äusserst umkämpften Feldern des gegenwärtigen öffentlichen Lebens. Erst in Kontexten, in denen menschliche Würde fortlaufend bestritten wird wie im Krieg und in der Politik, gelangt die menschliche Berufung durch Gott, die diese Würde ausmacht, zu der konkreten Bedeutung, die ihr gebührt. Dieser Kontext ist entscheidend für ihre Bedeutung; ihre Wahrheit steht dazu nicht nur in Relation, sondern ist dazu relativ, dass um ihre Durchsetzung gerungen werden muss.
Umgekehrt war es nicht länger möglich, vom Atheismus als einer lediglich intellektuellen Gegenbewegung zum Glauben zu sprechen, die zu bestreiten war. Man musste sich ihm als einem Phänomen der eigenen Zeit stellen, das über die notwendige Bestreitung durch den Glauben hinaus einen signifikanten Aufschnitt über die gesellschaftliche und existenzielle Lage der Dinge bietet.
Aus dem Grund, dass alle relevanten Themen der heutigen Welt in historischen Entwicklungen unter Menschen lokalisiert sind und dass die Felder, diese zu bearbeiten, dort liegen, wie Menschen ihr Leben organisieren, griff die Perspektive, auf den Menschen über die Gottebenbildlichkeit zu sprechen zu kommen, nicht mehr. Sie fiel nicht ganz aus dem Schema XXIII heraus, aber sie wird eingeordnet in das, was über die Berufung des Menschen zu sagen ist. Diese Berufung kommt von Gott und sie bezieht sich zunächst und zuerst darauf – als integrale Berufung, wie es dann heisst –, dass Menschen Menschen werden müssen, um nicht Unmenschen zu sein. Alle weiteren Berufungen ruhen auf dieser Grundlage.
(Hans-Joachim Sander)

Konzilsblogteam

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