Wir fliegen zu viel

Wir – die meisten von uns – fliegen zu oft. Und verbrauchen dabei eine Unmenge von Energie. Dazu steht in einem Brief, den ich kürzlich von der Schweizerischen Energiestiftung/SES bekommen habe: «Für eine Reise von der Schweiz ins europäische Ausland über eine Strecke von 1000 Kilometern braucht eine Person mit dem Flugzeug fast fünfmal so viel Energie wie wenn die Strecke bei vergleichbarer Auslastung mit dem Hochgeschwindigkeitszug zurückgelegt würde.»

Der Grund für die Vielfliegerei: Flüge sind schlicht und einfach viel zu billig; wenn zum Beispiel ein Flug nach Mallorca 40 Euro und einer nach London 50 Euro kostet.

Ich kenne viele – sagen wir mal – ethisch hochstehende Personen, die allein auf die Preise und nicht auf die Umweltbelastung schauen. Sie vergessen, dass fliegen die klimaschädlichste Art des Reisens ist. In der Schweiz verantwortet der Flugverkehr rund 18 Prozent des CO2-Ausstosses.

Schon vor Jahrzehnten haben Umweltorganisationen vorgeschlagen, bei Distanzen bis 800 (oder 1000) Kilometer den Zug zu nehmen statt zu fliegen. Wenn man das umständliche Prozedere beim Einsteigen auf dem Flughafen und das lange Warten aufs Gepäck berücksichtigt, gewinnt man beim Fliegen kaum Zeit.

Ich habe dies kürzlich erfahren: Als ich gefragt wurde, welchen Flug man mir für die Reise nach Rom buchen sollte, sagte ich: «Keinen Flug! Einen Zug!» Und mit diesem ging es dann (mit dem Hochgeschwindigkeitszug ab Mailand!) recht schnell. Bei der Hinfahrt gut sieben Stunden, bei der Rückfahrt gut sechs Stunden. (Es ist noch nicht lange her, da dauerte die Reise offiziell 12, faktisch aber 13 Stunden …)

Um eine Änderung des Reiseverhaltens herbeizuführen, haben zahlreiche Organisationen in einem Brief an Doris Leuthard Massnahmen gefordert, die nicht weiterhin den Flugverkehr gegenüber der Bahn bevorzugen. (Mehr)

Um Kritik zuvorzukommen, gestehe ich, dass auch ich oft fliege. Aber wie sonst hätte ich in meinen Reportage-Reisen nach Tansania oder Peru gelangen können? Da sind allerdings auch meine Reisen nach Kreta. Ich würde sie mir nicht so oft erlauben, wenn es bloss touristische Unternehmungen wären und nicht auch seelsorgliche Einsätze für die Touristen («internationale Gottesdienste»). Und auf dem Land- und Wasserweg nach Kreta bräuchte ich je fast eine halbe Woche.

Hingegen ist es für mich immer selbstverständlich gewesen, dass ich beispielsweise nach Rom, Berlin und Wien den Zug nehme. Auch nach London bin ich mal mit dem Zug und der Fähre gereist. Es wird mir nie langweilig. Denn ich nehme immer Bücher oder eine grosse Beige von Zeitschriften mit und war schon oft enttäuscht, wenn ich ankam und nicht mehr weiterlesen konnte ….

 

 

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

https://www.blogs-kath.ch/wir-fliegen-zu-viel/