Ich bleibe noch eine Runde an diesem Ball. Aus kompetenten Munde wurde ich angefragt, ob ich mit meiner Idee nicht einem neuen römischen Zentralismus das Wort rede. Von «neu» ist da nicht die Rede! Ich halte fest, dass die Ernennung von Bischöfen fast weltweit mit Ausnahme unserer kleinen mitteleuropäisch-gemässigten Zone bereits äusserst zentralistisch geregelt ist. Die vatikanische Zentrale – mehr oder weniger gut beraten durch ihre Diplomaten auf den Aussenposten – ernennt ja die Bischöfe in durchaus willkürlicher Weise. Es «soll» nicht vorkommen, sondern es kommt vor, dass bei solchen Ernennungen Bischöfe auch beliebig durch die Lande geschoben und auf noch würdigere Posten gesetzt werden. Meines Wissens war Herr Marx etwa Bischof in Trier, bevor er nach München-Freising auf einen der wichtigen Posten des deutschen Katholizismus weiterbefördert wurde. Oder man greift sich einen Priester-Theologieprofessor, der nie in einer der Rom wichtigen Fragen vom wahren Kurs abgewichen ist, und befördert ihn flugs nach oben.
Erste Conclusio: Wenn schon der Modus der Ernennungen bzw. Beförderungen so zentralistischer Natur ist, spricht ja nichts dagegen, auch den Modus der von mir vorgeschlagenen Bestätigung via Annahme bzw. Nicht-Annahme des angebotenen Amtsverzichtes (nach sagen wir mal 10 Jahren Amtszeit) so zu regeln.
Zweite Conclusio: Wo aber das Domkapitel bzw. gar ein staatskirchliches Gremium schon bei der Bischofswahl ein Mitspracherecht hatte, ist dieses natürlich zu beim angebotenen Amtsverzicht zu berücksichtigen. Da ich mein Bistum am besten kenne, könnte dies nun so erfolgen: Der Bischof teilt dem Domkapitel mit, dass er nach zehn Jahren sein Amt zur Verfügung stellen muss. Wenn das Domkapitel befindet, er möge im Amt bleiben, wird dies der Zentrale mitgeteilt. Wenn nicht, rollt das Verfahren von vorne gemäss Konkordat.
PS: Man verstehe mich nicht falsch. Hätte Bischof Markus 2016 so verfahren müssen, wäre ich der erste gewesen, der dafür plädiert hätte, dass er im Amt verbleiben soll. [All dies im Konditional.]
Heinz Angehrn
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant