Empowerment des Heiligen Geistes

Meine Pfingstpredigt

Vorgestern sprach mich ein etwa 60jähriger Mann auf der Strasse an. Er kommt jeden Sonntag zu uns in den Gottesdienst und wies auf Pfingsten hin. Früher, so meinte er, habe man in der Kirche kaum vom Heiligen Geist gesprochen, sondern nur von Gott-Vater und Jesus-Christus.

Ich musste dem Mann recht geben. Zwar wurden wir alle gefirmt und auf die Firmung vorbereitet. Doch von diesen Vorbereitungen ist mir vor allem eines in Erinnerung: die Aufzählung der Sieben Gaben des Heiligen Geistes, die wir von vorne und hinten auswendig lernen mussten.

Es sind dies die Gaben

Damals war ich gerade zwölfeinhalb-jährig. Diese Aufzählung hatte nicht sehr viel mit meiner Erlebniswelt zu tun.

Inzwischen, so meine ich, sprechen wir in der Kirche öfter und konkreter vom Heiligen Geist. In der Vorbereitung auf Pfingsten wird sehr häufig gebetet und gesungen: «Sende aus deinen Geist und das Antlitz der Erde wird neu.»

Das heisst erfreulicherweise: Wir erwarten vom Gottesgeist nicht nur etwas für unserer Seelengärtlein, mit den vorher gehörten Begriffen etwas für unsere persönliche Einsicht und Frömmigkeit. Wir trauen ihm zu, dass er die Welt gerechter, friedlicher, menschlicher machen kann. Oder besser gesagt: dass wir als Gefirmte in der Kraft Gottes an einer besseren Welt arbeiten können.

Bischof Felix Gmür nimmt in seiner diesjährigen Pfingst-Botschaft diesen Gedanken auf. (https://www.kath.ch/newsd/pfingstbotschaft-bischof-gmuer-integration-statt-ausgrenzung)

Er wendet ihn auf die Integration der Flüchtlinge an und spricht von einem «Göttliche Empowerment zum gegenseitigen Verstehen». Empowerment meint bekanntlich Ermächtigung: die Kraft, etwas zu tun.

Für Bischof Felix steht hier im Zentrum die Befähigung zu einem Dialog, der verbindet und Gräben überwindet – ein Dialog, der integriert und niemanden ausschliesst.»

Wenn wir in die heutige Welt hineinschauen, sehen wir überall, weltweit und bei uns gegenteilige Kräfte am Werk. Man will der Grösste sein. Man baut Gräben und Zäune, um Verfolgte auszugrenzen. Was mit ihnen geschieht, ob sie elendiglich zu Grunde gehen, interessiert zum Bespiel in gewissen Ländern Osteuropas die führenden Politiker überhaupt nicht.

Aber auch bei uns ist diesbezüglich nicht alles zum Besten bestellt: Man denke nur an den verräterischen Gebrauch des Wortes «Flüchtlingskrise». Damit meinen die meisten nicht die Krise, unter denen Flüchtlinge in ihrer Heimat leiden: Krieg, Armut und Unterdrückung. Nein, Flüchtlingskrise meint für viele die Schwierigkeiten, die wir haben, um Asylsuchende aufzunehmen.

Empowerment/die Befähigung, Grenzen zu überwinden, Fremden menschlich zu begegnen: Neben diesem Aspekt, auf den Felix Gmür uns aufmerksam macht, gibt es viele andere Bereiche, in denen Gottes Geist erfahrbar wird.

Und heute? Ich erinnere mich noch gut daran, wie Karl Rahner, der wohl grösste katholische Theologe des 20. Jahrhunderts an einem deutschen Katholikentag über die Wirkungen des Heiligen Geistes be-geist-ert gesprochen hat. Er betont, wenn jemand seinen Egoismus überwindet und für andere da ist, kann er dies tun, weil der Geist ihn dazu befähigt.

Ich darf hinzufügen:

Wo jemand Frieden stiftet und den Hass überwindet,

wo jemand das, was er hat, mit andern teilt,

wenn jemand den Mitmenschen tröstend und barmherzig begegnet

überall da ist Gottes Geist – und da ist Pfingsten.

(Den letzten Abschnitt verdanke ich André Flury/Berner Pfarrblatt:

www.glaubenssache-online.ch

Sa 16.30 Elisabethenheim, Luzern; So 9.30 Frauenkloster und 10.40 Pflegeheim Nägeligasse, Stans. 17 Uhr Kloster Gerlisberg, Luzern

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

https://www.blogs-kath.ch/empowerment-des-heiligen-geistes/