Palästina: was geschah vor 70 Jahren?

Palästina, 15. Mai 1948

«Einmal mehr werden Emotionen angesprochen statt Fakten zu präsentieren», entgegnete ein sehr bekannter Israel-Lobbyist auf meinen Blog über die Nakba, die Vertreibung von unzähligen Palästinensern aus ihrer Heimat. Einverstanden. Hier sind Fakten:

Mattthias Schmale, Leiter des UN-Flüchtlingswerks im Gazastreifen: Israel reagierte auf die Gaza-Proteste der letzten Wochen mit aller Härte. Mehrere Demonstranten wurden erschossen, «teilweise von hinten, als sie von der Grenze weggelaufen sind. Die Reaktion der Israelis ist völlig unverhältnismässig. Es gibt mehr als 30 Tote und über 4000 Verletzte, allesamt auf palästinensischer Seite». (Publik-Forum 27. April 2018)

Dazu eine aktuellere Statistik aus dem Newsletter der Gesellschaft Schweiz-Palästina:

«Bis 5. Mai 30 Tote, 8’844 Verwundete, davon 255 durch Hartgummigeschosse und 2’063 (=90%) durch scharfe Munition. Die UN-Organisation OCHAopt stellt regelmässig diese Zahlen zusammen – doch in unseren Medien finden wir diese kaum…»

Darum seien sie hier in meinem Blog wiedergegeben. Sicher werden sie in der Israel-Lobby keine Emotionen des Bedauerns auslösen. Man wird wohl wieder – wie schon mehrmals – den palästinensischen Hitlerfreund H. aufmarschieren lassen zum Beweis, wie böse die Palästinenser sind …. Na, ja, wenn die Argumente ausgehen und die Fakten geleugnet werden müssen halt so olle Kamellen her.

Eine höchst interessanter geschichtlicher Abriss der Nakba/Staatengründung von Hanspeter Gysin:

http://www.palaestina-info.ch/images/docs-pdf/PAINFO_Herbst_2017_DE_WEB.pdf

Daraus nur zwei kurze Abschnitte:

Ein kolonialistische Projekt

Eine entscheidende Rolle in der Frühzeit spielte Balfour-Deklaration vom 2. November 1917:

«Ganz in kolonialer Überheblichkeit gegenüber Völkern anderer Kontinente wurde damals geplant, ohne die Ansässigen zu konsultieren und ohne zu beachten, dass damit gleichzeitig gegen die eigene Charta, welche das «Selbstbestimmungsrecht der Völker» postuliert, verstossen wurde. Zudem sah der Teilungsplan vor, der zumeist eingewanderten jüdischen Minderheit über die Hälfte des Gebiets und zudem die fruchtbarsten und wirtschaftlich erfolgversprechendsten Teile des Landes zuzugestehen.»

Weshalb haben die arabischen Führer interveniert?

«Als die ersten regulären arabischen Armeeeinheiten intervenierten, waren bereits Hunderttausende Menschen vertrieben und überfüllten Städte und Flüchtlingslager der Umgebung. Erst dann – nicht zuletzt aufgrund des Rumorens in der eigenen Bevölkerung und um das Gesicht nicht vollends zu verlieren – beschlossen die arabischen Herrscher einzugreifen.»

 

PS: Nachtrag zur obigen Statistik:

Israelische Minister haben die Soldaten verteidigt, die darüber gejubelt hatten, dass ein Palästinenser an der Grenze zum Gazastreifen niedergeschossen wurde. Videoaufnahmen von dem Vorfall kursierten in sozialen Medien und sorgten bei vielen für Empörung.

In dem kurzen Film ist zu sehen, wie ein Soldat auf einen ruhig stehenden und offenbar unbewaffneten Mann zielt und schiesst. Der Mann fällt zu Boden, Kameraden des israelischen Schützen reagieren mit Freudenschreien. «Dieser Hurensohn», ruft einer auf Hebräisch.

Auch dies ein Beispiel von «Emotion»…

 

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

https://www.blogs-kath.ch/palaestina-was-geschah-vor-70-jahren/