Den Palästinensern wurde die Heimat «gestohlen»
Absurder geht’s nimmer: Ein Palästinenser besucht das Dorf seiner Vorfahren, das 1948 verbunden mit einem Massaker von der jüdischen Armee zerstört wurde. Es blieben nur Ruinen übrig, in einem menschenleeren Nationalpark. Da kommt ein sympathischer israelischer Professor und erzählt: «Ich zeige meinen Studenten, wie dem biblischen Land Leben eingehaucht wurde.»
Dies ist eine Szene aus dem auf DVD erhältlichen Film «Salt of this Sea» der Palästinenserin Annemarie Jacir. Er wurde zwar schon 2008 gedreht, ist aber gerade auf dem Hintergrund der Feierlichkeiten «70 Jahre Staat Israel» besonders sehenswert. In einer der vorausgehenden Sequenz entdeckt in Jaffa eine Frau das Haus, aus dem 1948 die Familie ihres Grossvaters vertrieben wurde. Die aktuelle Bewohnerin, eine junge jüdische Malerin, begrüsst sie freundlich und lädt die Palästinenserin ein, dort so lange zu wohnen wie sie will. Der Gast nimmt die Einladung an, dreht aber allmählich die Verhältnisse um: «Ich erlaube dir im Haus zu wohnen, das meinem Grossvater gestohlen wurde und darum mir gehört.»
Dies sind nur zwei der Szenen, die den Betrachten herausfordern, ganz besonders heute, genau sieben Jahrzehnten nach den Ereignissen, die von den Palästinensern als «Nakba/Katastrophe» bezeichnet werden, während die Israelis stolz die Gründung ihres Staates feiern.
Dem Zuschauer aus der Schweiz geht eine weitere Sequenz unter die Haut. Die Palästinenserin fordert eine Bank auf, ihr das Guthaben ihres Grossvaters zu übergeben, das dieser bei der Vertreibung zurücklassen musste. In langwierigen Verhandlungen weigert sich die Bank ihr das Geld zu geben, weil ein einziges Dokument fehlt, eine Geburtskunde. Bei wem werden hier nicht die Erinnerungen wach an den Streit um die jüdischen «nachrichtenlosen» Vermögen. Nur die Opfer sind andere …
Annemarie Jacir: Salt of this Sea. DVD. Erhältlich bei trigon-film, Limmatauweg 9, 5408 Ennetbaden. info@trigon-film.org. Mit deutschen Untertiteln. Fr. 21.-
Zitiert
Besitz nach Religionszugehörigkeit
«Das Haus ihres Grossvaters könnte sie auch dann nicht zurückkaufen, wenn die aktuelle Bewohnerin es ihr überlassen würde: Der jüdische Nationalfonds würde den Verkauf an Nichtjuden nicht zulassen. Wo sonst auf der Welt wird der Besitz nach Religionszugehörigkeit geregelt. Soraya wäre schon damit zufrieden damit, wenn man ihr zugestehen würde, dass das Haus, das da bewohnt wird, eigentlich ihr gehört.»
Walter Ruggle im Booklet zur DVD «Salt of this Sea»
Keine genetische Feindschaft
«Manche Menschen habe ein sehr naives Denken: Sie glauben, dass das Problem zwischen den Israelis und den Palästinensern darin besteht, dass sie einander nicht mögen und dass dies seit Jahrhunderten so ist, als ob wir genetisch dazu veranlagt wären, einander zu hassen. Aber das ist bloss ein Weg, die Wahrheit zu vermeiden.»
Annemarie Jacir im Booklet zur DVD «Salt of this Sea»
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.blogs-kath.ch/70-jahre-israel-katastrophe-fuer-palaestina/