Unermüdlich spricht Julius Kardinal Döpfner über das Konzil. Keine Gelegenheit lässt er aus. Das Konzil und die Themen des Konzils sind der basso continuo all seiner Ansprachen, Predigten und Reden in den 1960er Jahren.
Am 31. Dezember 1964 hält Döpfner eine Sylvesterpredigt im Münchner Dom. Hier versucht er, das Konzil mit dem Alltagsleben der Gläubigen zu verbinden. Schon früh erkennt er ein Missverständnis in der populären Rezeption des Konzils, welche das Konzil vor allem als Erleichterung von zu grossen kirchlichen Bürden für die Menschen sehen wollte.
«Das christliche Leben wird leichter und zugleich schwerer. Es wird leichter, weil wir in der Fülle Christi und seiner Kirche sicherer und froher werden, weil wir spüren, wie die Kirche uns Halt gibt, ohne uns einzuengen. Darin aber wird unser christliches Leben schwerer, dass wir zu grösserer Entschiedenheit zu Christus, zu grösserer Treue und Liebe zu ihm und seiner Kirche gefordert werden. Darum täuschen sich jene, die da meinen, das christliche Leben werden jetzt unverbindlicher und bequemer und könne überdies von allen verstanden werden. Die Nachfolge Christi bleibt ein unerbittliches tägliches Kreuznehmen, das auch weiterhin viele unserer Mitmenschen sinnlos erscheinen wird. Wehe der Kirche Jesu Christi, wenn sie sich anpassen würde auf Kosten des Ärgernisses, das im Kreuze Jesu Christi liegt.»
(ab; Döpfner, In dieser Stunde der Kirche, München 1967, 44)
Konzilsblogteam
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.blogs-kath.ch/frei-von-einengung-aber-keine-unverbindlichkeit/