Die Gläubigen beobachten Ende 1964 das Konzil sehr genau. Dabei geht es auch um die Frage, welche Folgen das Konzil für die Katholikinnen und Katholiken haben wird. Gerade im Blick auf die Lehre von Ehe und Familie deuten sich Umbrüche an, die viele Menschen direkt betreffen.
Julius Kardinal Döpfner ist sich dieser Erwartungen bewusst. Ende 1964 predigt er über das Konzil und die Bedeutung für Ehe und Familie. Rückblickend auf die Session fasst er zusammen: «In den letzten Wochen der 3. Konzilsperiode wurden bei der Behandlung des wichtigen Schemas ‹Die Kirche in der Welt unserer Zeit› auch wesentliche Fragen über Ehe und Familie besprochen. Dabei wurde sichtbar, wie die Kirche sich müht, im Verständnis der ehelichen Liebe und ihrer Zuordnung zur verantwortungsbewussten Elternschaft, in den damit verbundenen schwierigen Fragen der Geburtenregelung und der Überbevölkerung jene Antwort zu geben, die der Ordnung Gottes und zugleich den schwierigen Problemen der Gegenwart gerecht wird.»
Döpfners Konkretisierungen der anstehenden Aufgaben für die Ehepastoral der Kirche klingen wie ein Auszug aus den Diskussionen im heutigen Prozess der Familiensynode in Rom: eine veränderte Sicht auf Geschlechtlichkeit mit neuen Herausforderungen für das sittliche Empfinden, die Notwendigkeit einer vertieften Vorbereitung auf die Ehe, die Förderung einer Kultur der christlichen Familie als Zelle der Kirche…
«Schliesslich müssen auch die quälenden Eheprobleme in einem neuen Licht gesehen werden. Wundert Euch nicht, wenn die Hirten der pilgernden Kirche hier ringen müssen und nicht in allem gleich eine rasche, runde Antwort geben.»
Hier üben sich die Gläubigen nun schon seit 50 Jahren in Geduld.
(ab; Döpfner, In dieser Stunde der Kirche, München 1967, 44f)
Konzilsblogteam
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.blogs-kath.ch/ehe-und-familie-keine-raschen-antworten/