Wie kann es in der Kirche zu konkreten Veränderungen kommen? Diese Frage, die sich heute stellt, ist nicht neu. Ebenso wenig ist neu, dass selbst in dogmatisch wenig gewichtigen Fragen das Beharrungsvermögen weit grösser ist als die Veränderungsbereitschaft.
Am 4. November 1964 notiert Henri de Lubac eine Begebenheit, die exemplarisch die Schwierigkeit des Konzils bzw. der Kirche zu konkreten Reformen vor Augen stellt. In Reaktion auf einen Reformvorschlag betr. der Praxis, Titularbischöfe auf den Sitz einer untergegangenen Diözese zu weihen, wird die Notwendigkeit unterstrichen, dass eine solche Reform mit langwierigen Studien vorzubereiten wäre. Henri de Lubac kommentiert dies ironisch:
«Symbol der Unfähigkeit des Konzils, während man Ideen in die Luft wirft, konkrete Reformen durchzuführen, und das sogar in kleinen Dingen. Zahlreiche Bischöfe wünschten, dass man auf die Rechtsfiktion verzichten solle, mit der man Weihbischöfen oder Koadjutorbischöfen einen Bischofssitz ‹in partibus› [= in partibus infidelium, d.h. einer untergegangenen Diözese, die in die Hände von ‹Ungläubigen› gefallen ist] zuordnet, ohne dass dies den geringsten Bezug zu ihrer wirklichen Situation und Aufgabe hat. Die Kommission hat dies zurückgewiesen. Der Berichterstatter hat sich darüber vor dem Konzil erklärt: Ein solcher Wandel würde, so scheint es, vorab eine lange und vertiefte Studie über alle möglichen gravierenden Fragen historischer, theologischer, liturgischer und kanonischer Art verlangen» (Lu 2,271).
Diskutiert worden war über das Thema in der Konzilsaula bereits in der zweiten Konzilssession (vgl. den Eintrag am 13.11.2013). Dabei war auch die ökumenische Problematik zur Sprache gekommen, dass Weihbischöfen der lateinischen Kirche ein Sitz in Gebieten der orthodoxen und orientalischen Kirchen zugeordnet wird. Doch das Problem wurde auf die lange Bank geschoben …
(emf)
Konzilsblogteam
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