Mit einer Mischung aus Verwunderung und Belustigung (aber auch Besorgnis, da wir doch an einigen Fällen sehen, welche Gewaltgeschichte dadurch ausgelöst wurde) schauen wir heute auf manche der grossen theologischen Streitfragen der Vergangenheit.
Warum war etwa das «filioque» von so grosser Bedeutung?
Warum sollen nicht Heilige verehrt werden können?
Mit Blick auf Ludwig Wittgenstein wage ich zu formulieren, dass, da absolute Wahrheit ausserhalb des Debattierens einer bestimmten theologisch-religiösen Gruppe gar nicht existiert, viele der Aufregungen unnötig und unbegründet waren!
Nun zur Karwochen-Frage, ob denn nun der Karfreitag oder der Ostermorgen das konstituierende Element des christlichen Glaubens und ergo unserer Erlösung/Rechtfertigung/Rettung ist; und – daraus folgernd – welches nun der eigentliche Festtag sei.
«Wär Christus nicht erstanden, die Welt, die wär vergangen»: Seltsam, dass ein Lied, dessen Text (gemäss Abgaben in Gotteslob und KG) urkatholische (Salzburg/Tegernsee 14./15.Jh.) wie urevangelische (Wittenberg 1529/33) Wurzeln hat, schon längst die Antwort gibt. Auferstehung setzt Tod/Sterben voraus; Tod/Sterben hat wiederum eine Ursache. In der Kombination dieser Elemente entstand das theologisch einmalige Konstrukt, das christlichen Glauben begründet: Das stellvertretende Leiden und Sterben des Gottesknechts wurde zum Heil für die Welt, konnte aber erst in dem Moment als solches erkannt werden, als er in seiner Göttlichkeit offenbar wurde.
So ist eben die Osternacht mit ihrem Jubel nicht die alleinige Wahrheit, aber die abschliessende Conclusio hinter allem, was wir in diesen Tagen bedenken: «O wahrhaft selige Nacht, die Himmel und Erde versöhnt, die Gott und Menschen verbindet!»
Heinz Angehrn
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
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