Energie für morgen: unlautere Argumente

Heucheleien in der Energie-Politik

Am Freitag stand der Vorwurf wieder einmal in unserem regionalen Intelligenzblatt: Wer für die Stilllegung der AKWs ist, trägt die Verantwortung dafür, dass mehr «dreckiger» Strom aus Kohlekraftwerken importiert werden muss. Nur seltsam: Seit Jahren rühmt sich die Energiewirtschaft, die Stromversorgung der Schweiz dank geschickter Importpolitik zu gewährleisten. Auch durch Strom aus Kohlekraftwerken? Na und? Und nun, wo es ums Abschalten der AKWs geht, rufen die gleichen Leute: «Pfui! Igitt! So ein Dreck!»

Zweite Szene: Energie dank Sonne? «Schön und gut. Aber: Die Schweiz produziert ja soo  wenig.» Stimmt. Aber die gleichen Kreise waren für die «Deckelung» der Subventionen für Solarenergie. So kam es, dass viele, die eine solche Anlage bauen wollten und einen finanziellen Zustupf verlangten, vertröstet wurden: «Sorry, der Topf ist leer. Kommt später wieder.» Übrigens: Schon vor einem Jahrzehnt fiel mir in Süddeutschland auf, wie viele Bauern auf den Dächern ihrer Scheunen grossflächige Solaranlagen hatten. Als kaum ein Schweizer Bauer nur einen Gedanken an so was verschwendet. Verschlafene Chancen.

Und die Windräder: Ich  stelle  mir vor,  dass Leute, die hemmungslos Geschäfte machen mit Pestiziden und anderen Giften, die auch zum Tod unzähliger Vögel beitragen, vehement den Bau von Windrädern bekämpfen, weil diese Vögel töten könnten. – Ich erinnere mich an die kirchliche europäische Umwelttagung in Polen, im Jahr 2003. Ein Referent erzählte, wie man mit dem Vogel-Totschlag-Argument der Bau einer polnischen Windanlage verhindert wollte. Experten studierten dann akribisch die Vogelzüge der betreffenden Region. Tatsächlich: Genau dort führt eine «Flugstrasse» von Vögeln vorbei. Aber einige Meter daneben verirrte sich kein Vogel in den Luftraum. Also baute man die Windräder dorthin – und die Vögel überlebten allesamt. – Wo werden in der Schweiz entsprechende Studien durchgeführt. Ich vermute, man vergisst lieber Krokodilstränen wegen den armen Vöglein.

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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