Der Papst im Konzil, das ist eines der aussergewöhnlichen Ereignisse in der dritten Konzilssession. Um dem Missionsdekret Nachdruck zu verleihen, nimmt Papst Paul VI. am 6. November 1964 an der Sitzung des Konzils teil. Er sitzt dafür am Tisch des Präsidiums.
Sein Auftreten wird manchen Beteiligten zum Gegenstand der Reflexion. Schon in der Bar wird das Ereignis kritisch kommentiert. «Man hat den Papst ein bisschen wie einen würdigen Fremden erscheinen lassen, der einen prunkvollen Besuch abstattet» (Lu 2,275).
Yves Congar ist unangenehm berührt (vgl. Co 2,241) und stellt sich Alternativen vor: Der Papst könne mit dem Evangelienbuch einziehen und ganz regulär als Mitglied des Konzils an den Arbeitssitzungen teilnehmen. «Isoliert ihn seine Stellung als Haupt derart und versetzt sie ihn derart über das Konzil, dass er ausserhalb bleiben muss? Faktisch hat der Papst [auch am 6. November 1964] nicht an der Versammlung teilgenommen. Er hat eine ‹Geste› vollzogen» (Co 2,243).
Auch andere stossen sich daran, dass der Papst nicht regulär in der Konzilsaula sitzt. Der Thron des Papstes ist meistens leer. Henri de Lubac unterhält sich mit einem anderen Konzilsexperten und meint, dass dort, wo der leere Thron des Papstes steht, besser das Evangelienbuch inthronisiert würde, und der Papst sollte regulär am Tisch des Präsidiums sitzen, wie es am 6. November der Fall war (vgl. Lu 2,324).
(emf)
Konzilsblogteam
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