Israelis kritisieren Israel

Wer sich für die Rechte der Palästinenser einsetzt, gilt rasch als antisemitisch. Ich musste dies hier schon oft erfahren. Was aber, wenn Juden sich an die Seite der Palästinenser stellen. Wie zum Beispiel Anfang Jahr eine US-amerikanische Jüdin im sehr lesenswerten Beitrag meiner Blogkollegin Bettina Flück:

https://www.kath.ch/blogsd/ilene-als-amerikanische-juedin-im-einsatz-mit-eappi_b_

Zwischenbemerkung: Vor einigen Tagen kam ein Freund von mir aus dem Heiligen Land zurück. Er war sechs Wochen durch Palästina/Israel gewandert. Als er am Schluss in einem jüdischen Laden davon erzählte, fragte die Verkäuferin: «Wo liegt Palästina?» Ähnlich ein Taxifahrer …

Zurück zu jüdischen pro-israelischen Stimmen:

– Die in Deutschland lebende jüdische Schriftstellerin Lizzi Doron sagte im Gespräch mit dem Tages-Anzeiger vom 8. Dezember 17 über eine Reise in ihre alte Heimat: «Ich habe mit eigenen Augen gesehen, dass die israelische Regierung alles unternimmt, um die Mobilität der Palästinenser und die Freiheit in ihren Seelen zu beschneiden. Der israelische Staat raubt ihnen ihre Identität. Meiner Familie wurde im Zweiten Weltkrieg deportiert und ermordet wegen ihrer Religion. Umso weniger kann ich es ertragen, dass in einer Stadt wie Jerusalem Menschen leiden, weil sie keine Juden sind.»

– Bevor ein uneinsichtiger US-Politiker sich sehr unvernünftig zur Jerusalem-Frage geäussert hat, meinte Carmi Gillon, ehem. Chef des israelischen Geheimdienstes Shin Bet, der Preis für die israelische Besatzung der Palästinensergebiete sei hoch. «Ich denke, wir sollten den grössten Teil von Ostjerusalem verlassen und die Altstadt unter internationale Verwaltung stellen. Er glaubt sogar, die meisten Siedler könnten durch Geld zu einem Umzug bewegt werden. Saudi-Arabien und die Golfstaaten sollten dies mitfinanzieren. Dann «könnten sie immerhin behaupten, sie hätten bei der Befreiung der Palästinenser mitgewirkt». (Publik-Forum 12/17)

-Blenden wir gut 50 Jahre zurück: Kurz nach dem Sechstagekrieg von 1967 erschien in der israelischen Zeitung «Haaretz» das folgende Inserat einer linken Gruppe von Israelis: «Eroberung zieht Fremdherrschaft nach sich. Fremdherrschaft Widerstand. Widerstand Unterdrückung. Unterdrückung Terror und Gegenterror. Opfer von Terror sind in der Regel Unschuldige. An den besetzten Gebieten festzuhalten, wird aus uns eine Nation von Mördern und Mordopfern machen.» Dazu im Tages-Anzeiger (4. 11. 17; s. Einstiegsbild zu diesem Blogbeitrag!) meine geschätzte Journalistenkollegin Claudia Kühner. Knapp, präzise und mit Klarsicht haben die Unterzeichner die Entwicklung vorausgesagt.»

Wer wollte widersprechen?

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

https://www.blogs-kath.ch/israelis-kritisieren-israel/