Flüchtling zu sein ist kein Vergnügen
Als Elfjährige musste das türkische Mädchen Elvan Göktas mit ihrer Familie ihr Haus von einem Augenblick auf den andern verlassen, um auf abenteuerliche Weise in die Schweiz zu fliehen. 28 Jahre später erzählt sie von dieser Flucht und von den vielfältigen Schwierigkeiten, trotz gutem Willen sich in der Schweiz zu integrieren.
Wetten, dass: Jene, die das Buch lesen sollten, werden es nicht tun; nämlich Menschen, die behaupten, die Flüchtlinge kämen zu uns, um hier ein frisch-fröhliches Leben zu führen. Die Autorin schildert höchst eindrücklich, wie weit entfernt von der Wirklichkeit eine solche Vorstellung ist. Denn Flucht und Exil bedeuten: plötzlich alles hinter sich lassen, mit leeren Händen in einer völlig fremden Umgebung ankommen und dort spüren, unerwünscht zu sein.
Die Autorin berichtet, dass nach dem Brand ihrer Asylunterkunft am Zürichsee ein Feuerwehrmann laut sagte: «Schade, dass sie nicht alle verbrannt sind!» Immerhin: Eine Frau aus dem Dorf habe entgegnet: «Sind diese Menschen weniger wert als wir?» Es anzunehmen, dass die Leserinnen und Leser des vorliegenden Buches sich mit dieser Meinung identifizieren …
Von Elvan Göktas: Als stünde es auf meiner Stirn geschrieben. Die Geschichte einer Flucht, mit Illustrationen von Irene Naef. db-Verlag, Luzern. 144 Seiten, vierfarbig, Fr. 32.80. ISBN 978-3-905388-49-7. Das Buch kann auch portofrei beim Verlag bestellt werden: db-Verlag, B. Bühlmann, Stirnrütistrasse 37, 6048 Horw. info@db-verlag.ch
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
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